Eine Serie von Blockchain-basierten Briefmarken kommt am 6. September auf den Markt. Die Idee ist, die Post sicherer zu machen, obwohl es sich wahrscheinlich eher um einen Marketing-Gag handelt. Trotzdem, eine gute Idee!

Die physische Post könnte eines Tages ein Relikt der Vergangenheit sein, aber das ist sie noch nicht. Allzu oft müssen wir noch Originaldokumente per Post verschicken, um Verträge abzuschliessen, eine demokratische Abstimmung durchzuführen oder einen Liebesbrief zu senden. Letzteres mag zwar einen etwas romantischen Touch haben, aber im 21. Jahrhundert sollten wir keine Post mehr brauchen, um Geschäfte zu machen, denn wir haben die Technologien, um diese eher antike Art der Kommunikation zu umgehen.

Aber so weit sind wir noch nicht. Da die physische Post nach wie vor ein Kommunikationsmittel ist und sich daran wohl auch in den nächsten Jahren nichts ändern wird, hat die Liechtensteinische Post einen Weg entwickelt, um sie sicherer zu machen. Blockchain-basierte Briefmarken, sogenannte “Krypto-Briefmarken”, ermöglichen es den Empfängern, die Originalität eines Briefes zu überprüfen.

Krypto-Briefmarken mit QR-Code

Die Liechtensteinische Post wird am 6. September neun solcher Krypto-Briefmarken herausgeben. Die Kryptobriefmarke ist frankaturgültig, fälschungssicher, interaktiv und spannend”, so der philatelistische Dienst Philatelie Liechtenstein der Post.

Sie sieht aus wie eine gewöhnliche Briefmarke, ist aber mit einem sicheren QR-Code versehen, der unten rechts auf dem Briefmarkenmotiv erscheint. Die Nutzer können den Code mit ihrem Smartphone scannen und über eine spezielle App überprüfen. Beim Scannen des Codes wird auch ein verstecktes Zeichen sichtbar.

Liechtensteinische Motive 

Das in E-Mail-Adressen verwendete @-Symbol ist auf einer neuen 1-Franken-Briefmarke abgebildet, die von Detlef Behr entworfen wurde. Sie soll an den 50. Jahrestag des E-Mail-Kommunikationssystems erinnern. So die Philatelie Liechtenstein: “1971 entdeckte der amerikanische Informatiker Ray Tomlinson eine Möglichkeit, eine Datei von einem Computer an einen Benutzer auf einem anderen Computer zu senden. Der Empfänger konnte die Datei lesen, speichern, ändern und wieder zurückschicken. 50 Jahre später ist die E-Mail zu unserem wichtigsten Kommunikationsmittel geworden.

Die 5,20-Franken-Marke wurde von Sereina Hatt entworfen und von der Gutenberg AG in Schaan, Liechtenstein, in einem Block gedruckt. Drei weitere neue liechtensteinische Briefmarken widmen sich dem 100. Jahrestag der Landesverfassung, dem 140. Geburtstag des Künstlers Eugen Zotow und dem 700. Todestag des italienischen Schriftstellers Dante Alighieri.

Weitere Motive finden Sie hier.

Kein Spielverderber

Die Briefmarken sind ein guter Anwendungsfall, der die neue Welt und die alte Welt miteinander verbindet. Sie sind auch relativ einfach zu implementieren, und wenn sie eine zusätzliche Sicherheitsebene bieten, umso besser.

Allerdings sind sie eher ein Gimmick als eine bahnbrechende Innovation. Dass der Stempel gültig ist, bedeutet nicht, dass auch die Einsicht in den Brief gültig ist. Ein böswilliger Akteur könnte den Brief immer noch öffnen, seinen Inhalt ändern und ihn wieder verschliessen. Wäre es zur Maximierung der Sicherheit also nicht besser, wenn der Inhalt nachprüfbar wäre?

Und damit sind wir wieder bei den ersten Zeilen dieses Artikels angelangt. Die entscheidende Frage ist, warum wir überhaupt noch Papier verwenden. Wir haben qualifizierte digitale Signaturen, die tatsächlich sicherer sind als physische Dokumente. Der wahre Grund, warum wir immer noch physische Post verwenden, ist, dass wir unsere Systeme nur langsam ändern. Anstatt also zu versuchen, die physische Post zu verbessern, sollten wir versuchen, sie ganz abzuschaffen und vollständig digital zu werden.

Nichtsdestotrotz sind die Krypto-Briefmarken eine coole Idee und gutes Marketing für Liechtenstein. Erwarten Sie aber nicht, dass sie die Welt verändern werden.

Bild: © Liechtensteiner Philatelie