Liechtensteins öffentlicher Sektor bemüht sich, digitaler, effizienter und bürgerfreundlicher zu werden. In einigen Bereichen sind diese Bemühungen erfolgreich, in anderen weniger. Zukunft.li hat einige Vorschläge zur Verbesserung gemacht.

Eine Studie von Zukunft.li mit dem Titel „Service public: weniger Staat“ – mehr privat untersuchte die fünf grössten Infrastrukturanbieter Liechtensteins und ihre Fähigkeit, die zukünftigen Bedürfnisse der liechtensteinischen Bevölkerung zu erfüllen. Die Schlussfolgerung: Es gibt Raum für Verbesserungen.

Liechensteinische Post

Liechtensteins Post steht durch die Konkurrenz digitaler Dienstleister vor Herausforderungen. Es wird für das Unternehmen immer schwieriger, den heutigen Standard der öffentlichen Dienstleistungen aus eigener Kraft zu erbringen. Die Einnahmen aus dem Briefversand gehen zurück, der Trend zur E-Rechnung gewinnt an Fahrt, und es gibt Bestrebungen, dass Behördenbriefe in Zukunft vermehrt elektronisch versendet werden. Online- und Mobile-Banking werden immer einfacher zu bedienen, das gelbe Einzahlungsheft hat ausgedient. Zukunft.li empfiehlt, den öffentlichen Auftrag auf das in einer digitalen Welt notwendige Minimum zu reduzieren und – nach der Liberalisierung des Postmarktes – wie andere Bereiche (z.B. öffentlicher Verkehr oder Telekommunikation) auszuschreiben.

Telekommunikation

Der Telekommunikationssektor ist bereits viel stärker privatisiert als der Postsektor. Dies hat in Verbindung mit dem technologischen Fortschritt zu einem sehr wettbewerbsintensiven Markt geführt. In Liechtenstein buhlen mittlerweile acht Konkurrenten um die Kunden, so dass der Marktanteil der Telecom in den primären Dienstleistungsbereichen kontinuierlich sinkt. Zukunft.li ist der Meinung, dass es an der Zeit ist, dass sich der Staat aus diesem Markt zurückzieht und ihn komplett in private Hände gibt.

Gaswirtschaft

Im Gassektor spielen klimapolitische Überlegungen eine entscheidende Rolle. Das von Liechtenstein unterzeichnete Pariser Klimaabkommen gibt den Takt vor. Um bis 2050 vollständig von fossilen auf erneuerbare Energien umzusteigen, bedarf es einer deutlichen Veränderung im liechtensteinischen Gassektor. Zukunft.li ist der Meinung, dass zur Erreichung der Klimaziele der Ausbau des Gasnetzes gestoppt und der Ausbau der Wärmenetze beschleunigt werden muss.

Energie

Auch der Stromsektor befindet sich aufgrund klimapolitischer Überlegungen in einem starken Wandel. Durch die Umstellung auf mehr erneuerbare Energien wird auch die Versorgungssicherheit erschwert. Zukunft.li empfiehlt einen höheren Selbstversorgungsgrad und den Aufbau eines intelligenten Stromnetzes.

Öffentlicher Verkehr

LIEmobil ist ein schlank strukturiertes öffentliches Unternehmen, das den Grossteil der Verkehrsdienstleistungsaufträge an private Unternehmen vergibt. Zukunft.li ist der Meinung, dass Liechtenstein eine Organisationsform gewählt hat, die effizient ist und den Wettbewerb fördert. Allerdings wird die Verkehrsdichte in den Hauptverkehrszeiten zu einer zunehmenden Herausforderung. Wenn die Busse im Stau stehen und deshalb keine Anschlüsse schaffen, schwindet die Attraktivität. Deshalb ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass der Verkehr auch zur Rushhour besser fliesst – ein Ansatz wäre die Einführung des Road-Pricing-Systems, welches Zukunft.li Anfang 2020 vorgestellt hat.

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