Das geplante Satellitenprojekt Liechtensteins steht wegen der Beteiligung chinesischer Auftragnehmer und Finanziers in der Kritik. Das ehrgeizigste Weltraumprojekt, das das Fürstentum je geplant hat, könnte schon vor dem Start scheitern.

„Liechtenstein goes Satellite“ ist das ehrgeizigste Weltraumprojekt, das Liechtenstein je gesehen hat. Geplant ist der Aufbau eines satellitengestützten Systems, das es Unternehmen ermöglicht, in Echtzeit mit Einrichtungen auf der ganzen Welt zu kommunizieren. Da keine terrestrischen Leitungen benötigt würden, wäre der Datenaustausch effizienter und sicherer. Industrieunternehmen könnten das Netz nutzen, um Produktionsanlagen weltweit zu steuern, Finanzinstitute und Logistikunternehmen für die globale Kommunikation.

Allein in der ersten Phase sollen 288 Satelliten gestartet werden, und es ist von einem Investitionsvolumen von vier Milliarden Euro die Rede. Doch bislang ist die „Trion Space AG“, die Elon Musk und Jeff Bezos Konkurrenz machen soll, ein Briefkasten in Liechtenstein ohne Büros, ohne Mitarbeiter, ohne Website und mit rund 25.000 Schweizer Franken Eigenkapital.

Kritik an chinesischer Beteiligung

Was mit einem Wow-Moment begann, gerät nun zunehmend in die Kritik. Ein grosser Teil des Geldes und der Ausrüstung soll von chinesischen Investoren und Lieferanten stammen, meist von Staatsunternehmen – einige davon mit Verbindungen zum chinesischen Verteidigungs- und Militärsektor.

Angesichts des Stimmungswandels und der veränderten Beziehungen zwischen China und dem Westen befürchten Experten, dass Peking das Projekt nutzen könnte, um einen technologischen Brückenkopf in Europa zu errichten und strategische wirtschaftliche und militärische Interessen zu verfolgen. Kein guter Start für das Projekt, auch wenn Vertreter des Projekts diese Behauptungen zurückweisen.

Die Vaduzer Zeitung Wirtschaft regional berichtet, dass mehrere beteiligte Spitzenforscher im offiziellen Raumfahrtprogramm des chinesischen Militärs gearbeitet haben, Stipendien für die Militär- und Verteidigungsforschung erhalten oder sogar einen militärischen Hintergrund haben.

Neben all der Kritik gibt es keinen Zweifel an der technischen Machbarkeit des Projekts und schon gar nicht an der wirtschaftlichen Notwendigkeit satellitengestützter Kommunikationssysteme. Die Firma Space-X von Elon Musk verfolgt mit ihrem Projekt Starlink bereits ähnliche Pläne. Europa ist jedoch bei den Satellitentechnologien, wie in so vielen anderen technologischen Bereichen auch, ins Hintertreffen geraten.

Technologische Chance, aber politisches Risiko

Liechtenstein hat die Chance, einen grossen Sprung zu machen, für Liechtenstein, aber auch für Europa. Als souveräner Staat hat das Fürstentum Anspruch auf die für eine Satellitenflotte benötigten Funkfrequenzen. Diese Frequenzen werden von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) zugeteilt, sind knapp und heiss begehrt. Da Liechtenstein sein Kontingent noch nicht abgerufen hatte, war die provisorische Zuteilung kein Problem, als das Amt für Kommunikation Vaduz (AfK) vor sechs Jahren bei der ITU vorstellig wurde.

Es wäre ein grosser Schritt für die Digitalisierung in Europa, aber es bestehen Zweifel, ob die Initianten das Projekt technisch und finanziell stemmen können. Da von Anfang an Kapital fehlte, wandten sich die Projektinitiatoren 2018 an China. Chinesische Geldgeber, vor allem aus Shanghai, sprangen kräftig ein, übernahmen Mehrheiten in den beteiligten Unternehmen und platzierten ihre Leute in Schlüsselpositionen, etwa im Vorstand der Trio Space AG.

Diese Verbindung ist inzwischen zum größten Gegenwind für das Projekt geworden. Obwohl die Satelliten ausschliesslich der zivilen Nutzung und Kommunikation dienen, gibt es geostrategische Bedenken. Liechtenstein ist zwar generell ein investorenfreundliches Land, aber Vaduz ist weit davon entfernt, das Projekt zu genehmigen. Die Befürchtung, chinesische Interessen könnten das Fürstentum in Beschlag nehmen, ist groß. Auch die deutschen Projektbeteiligten haben das Ringen mit ihren chinesischen Partnern aufgenommen. Eine offizielle Stellungnahme wurde nicht abgegeben, aber die Zukunft des Projekts ist in Frage gestellt, bevor es überhaupt begonnen hat.

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