Zug ist bekannt als das „Crypto Valley“, aber nicht gerade ein Paradies für Kryptounternehmen. Während die Schweiz viele Vorteile für Startups bietet, ist noch offen, ob die Stadt Zug ihren Spitznamen verdient. Olga Feldmeier, CEO von Smart Valor, gab uns einige Einblicke.

Die Schweizer Stadt Zug ist das Zentrum des sogenannten „Crypto Valley“, ein Ort, an dem Krypto- und Blockchain-Startups angeblich florieren. Je nachdem, wen man fragt, werden auch die Schweizer Stadt Zürich und das benachbarte Liechtenstein aus denselben Gründen oft als Teil des Crypto Valley betrachtet.

Der Name tauchte erstmals vor einigen Jahren auf, nachdem sich mehrere auf Blockchain spezialisierte Unternehmen in der Region niedergelassen hatten, allen voran die Ethereum Foundation und viele andere. Der Region wird nachgesagt, sie biete kryptofreundliche Innovationen und ein unterstützendes Ökosystem, von Regierungsbehörden über Unternehmensdienstleistungen bis hin zu Vernetzungsmöglichkeiten und Investoren.

Aber ist es wirklich ein so großartiger Ort für alles, was mit Kryptowährungen zu tun hat, oder ist eher „nicht alles Gold, was glänzt“?

Krypto-Valley-Inszenierung „übertrieben“

Die Neue Züricher Zeitung führte kürzlich ein Interview mit Olga Feldmeier, CEO der Krypto-Börse Smart Valor. Das Unternehmen wurde 2017 in Zug gegründet. Mittlerweile hat es auch eine Vertretung in Liechtenstein. Im Interview gab Feldmeier Einblicke, wie es ist, als Kryptounternehmen in Zug ansässig zu sein. Nicht alles, was sie sagte, war positiv.

Feldmeier stimmte dem Journalisten zu, dass es in Zug vor allem Kryptowährungsstiftungen gibt, aber kaum Mitarbeiter, die tatsächlich an Blockchain-Projekten arbeiten.

„Die meisten der hier registrierten Firmen haben keine Mitarbeiter hier“, wird sie in der NZZ zitiert. Auch die mediale Inszenierung von Zug als „Krypto-Valley“ hält sie für übertrieben. Vielmehr kämpfe ihre eigene Firma mit den Rahmenbedingungen vor Ort. Es sei zum Beispiel schwierig, IT-Spezialisten zu finden, und es gebe nur wenige Investoren in Zug.

Hier gibt es nichts für Startups, so ihr Fazit. „Wenn kryptoaffine Leute kommen, suchen sie nach Startup-Kneipen und Investorentreffpunkten. Das gibt es hier nicht wirklich“, wird Feldmeier in der NZZ zitiert.

Schweiz hinkt hinterher

Auf die Frage, ob Zug den Anschluss an die Kryptowährungen bereits verpasst habe, sagte sie, das sei keine Zug-spezifische Herausforderung, sondern für die ganze Schweiz. Die IT-Entwicklung findet in anderen Ländern statt. Die hiesige Arbeitspolitik sei zu starr, sagte sie.

Das widerspreche der landläufigen Meinung, dass die Schweiz so kryptofreundliche Regelungen habe. Feldmeier widersprach dieser Auffassung und sagte, die Schweiz sei zu restriktiv und Innovation werde kaum gefördert.

Nicht alles ist schlecht

Allerdings räumte Feldmeier auch ein, dass viele Dinge in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern besser sind.

Sie sagte auch, dass Smart Valor an der Schweiz als Standort festhalten wolle, denn für eine Börse sei das wichtigste Gut das Vertrauen. Dazu braucht es einen Hauptsitz in einem sicheren und stabilen Land.

Insgesamt ist es interessant, Stimmen zu hören, die von den Erfahrungen berichten, die Unternehmen vor Ort machen. Ob Liechtenstein für ihr Unternehmen besser ist, sagte Feldmeier nicht. Aber generell bietet Liechtenstein sicher einige Vorteile, die die Schweiz nicht hat.

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