Eine Projektgruppe arbeitet an einem liechtensteinischen Satellitennetz, das Daten für die wirtschaftliche Nutzung liefern soll. Das Netz soll eine Einnahmequelle für Liechtenstein sein, die Attraktivität Liechtensteins für Unternehmen erhöhen und zur globalen Stabilität beitragen.

288 Satelliten für Liechtenstein. Ein Großprojekt, das den Wirtschaftsstandort Liechtenstein attraktiver machen soll. Die Idee ist, ein Netzwerk von Satelliten zu schaffen, die jeden Punkt der Erde erreichen und Daten an liechtensteinische Kontrollstationen senden können. Das Netz wird Liechtenstein gehören, andere Länder oder Firmen können gegen Gebühren den Zugang erwerben.

Ein Meilenstein für Europa

Verantwortlich für das Projekt ist Dr. Florian Krenkel. „Es ist eine einmalige Chance für Liechtenstein“, sagt Krenkel . „Es hat sich ein Konsortium zusammengefunden, das über die technologischen und wirtschaftlichen Mittel verfügt, um das umzusetzen.“ Das Konsortium aus privaten Unternehmen arbeitet mit dem Amt für Kommunikation und der Internationalen Fernmeldeunion zusammen, die die Standards und Regeln für den Satellitenbetrieb festlegt. 

Zwei Liechtensteiner und eine chinesische Firma sind Teil des Projektgruppe. Krenkel sagt, dass die Chinesen in Sachen Satellitentechnologie sehr fortschrittlich sind. Sie haben ihre eigenen Raketen und Satelliten, so dass sie Liechtenstein bei den ersten Schritten geholfen haben. Außerdem sieht Krenkel das Projekt als einen Meilenstein in der europäisch-chinesischen Zusammenarbeit. China ist mittlerweile der größte Handelspartner Europas, daher wird die Zusammenarbeit in Zukunft noch wichtiger werden.

Es ist von größter Bedeutung, dass es mehrere Satellitensysteme auf der ganzen Welt gibt, anstatt dass eine Nation ein Satellitenmonopol hat. „Liechtenstein kann wie jeder andere souveräne Staat Satelliten ins All schießen, und Liechtenstein hat sich dafür entschieden“, sagt Krenkel.

Krenkel zieht eine Parallele zum GPS, wo Europa auf außereuropäische Systeme angewiesen war. Den gleichen Fehler sollten wir bei den Satelliten nicht noch einmal machen. Heute bauen und betreiben die USA, China und Russland alle ihre eigenen Satelliten. In Europa haben Frankreich und Norwegen Projekte am Laufen, und auch Liechtenstein kann einen Beitrag leisten. Letztlich wird ein europäisches Satellitensystem Europa unabhängiger machen und zur globalen Stabilität beitragen.

Jede Branche braucht Daten

Zwei Satelliten sind bereits seit November 2019 im All. Sie haben die Tests erfolgreich abgeschlossen. Das Netzwerk befindet sich in einer niedrigen Umlaufbahn; die Satelliten fliegen in etwa 1.000 km Höhe über der Erdoberfläche. Sie können Daten sehr schnell von einem Punkt zum anderen mit geringer Latenzzeit senden. Kontrollstationen in Liechtenstein werden die Satelliten steuern und den Datenzugriff koordinieren.

Diese Projekte sind technisch und wirtschaftlich sehr komplex. „Darin liegt die Zukunft“, sagt Krenkel. „Die Industrie braucht Daten, und dieser Bedarf an Daten wird in Zukunft exponentiell steigen.“

Er erklärt, dass jede Branche Daten braucht, vom Automobil über das Bank- und Finanzwesen bis hin zu Schifffahrt und Fluggesellschaften. Liechtenstein wird der Eigentümer des Netzwerks sein und kann die Daten verkaufen. Der Netzeigentümer bleibt im Besitz Liechtensteins, und Liechtenstein hat die Kontrolle über das Netz.

Dieses System ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt, nicht für militärische Anwendungen. Es wird den Wirtschaftsstandort Liechtenstein attraktiver machen. Unternehmen brauchen Daten, und dafür brauchen sie Zugang zu Satelliten.

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