Eine Studie hat ergeben, dass Banken in Liechtenstein vor allem eines brauchen, um erfolgreich zu digitalisieren: Entrepreneurship-Ausrichtung. Was das bedeutet und warum es so wichtig ist.

Wie soll die Digitalisierung ablaufen? Jeder spricht von der Notwendigkeit der Digitalisierung, jeder versteht sie. Niemand sagt, wir brauchen keine digitalen Werkzeuge. Aber wie wird es dann passieren und wer wird es vorantreiben.

Die Regierung spielt zweifelsohne eine Schlüsselrolle, aber sie kann nur den Rahmen für private Unternehmen schaffen, damit diese digitale Initiativen ergreifen. An sich werden die Regierungen nicht der Treiber der Digitalisierung sein; sie haben eine unterstützende Funktion. Und einige spielen diese Rolle besser als andere. Liechtensteins Regierung hat mit neuen Gesetzen wie dem Blockchain-Gesetz und der Einrichtung von Fintech-Thinktanks und Wissenshubs einiges an Entschlossenheit bewiesen. Letztendlich wird die Innovation aber aus dem privaten Sektor kommen müssen.

Große Unternehmen und Startups

Es sind vor allem zwei Arten von Unternehmen, die derzeit digitale Innovationen vorantreiben: Großkonzerne und Startups. Großkonzerne haben viele Vorteile: Sie haben große Budgets, eine riesige Armada von Experten und sie sind mit Top-Wissenschaftlern und anderen Unternehmen verbunden. Aber sie haben auch einen Nachteil: Sie sind in der Regel langsamer und weniger agil, da neue Projekte viele Instanzen durchlaufen müssen, bevor sie genehmigt werden. Startups sind das Gegenteil: Sie sind schneller und agiler, haben aber meist weniger finanzielle Mittel und sind nicht so gut vernetzt.

Egal ob großes oder kleines Unternehmen, ein Aspekt ist entscheidend: Unternehmerische Orientierung und Risikobereitschaft. Das ergab eine Studie von Prof. Dr. Dr. Sascha Kraus und Dr. Thomas Niemand vom Institut für Entrepreneurship an der Universität Liechtenstein in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Innsbruck und Utrecht. Die Wissenschaftler untersuchten, was es am meisten braucht, um digitale Projekte in Banken in Liechtenstein und dem größeren deutschsprachigen Raum erfolgreich voranzutreiben.

Entrepreneurial Orientation und Risikobereitschaft

Entrepreneurial Orientation („EO“ / Entrepreneurship-Ausrichtung) beschreibt ein unternehmerisches Konzept, bei dem Individuen durch proaktives Handeln und einen starken Innovationswillen sowie eine hohe Risikobereitschaft angetrieben werden. An der Studie nahmen mehr als 100 Banken teil. Die Ergebnisse zeigten, dass Digitalisierungsprojekte umso wahrscheinlicher erfolgreich sind, je höher die OE in einer Organisation ist.

„Erst, wenn eine Harmonisierung der strategischen Vision mit den ureigensten unternehmerischen Fähigkeiten einer Bank stattfindet, welche neue digitale Dienste aktiv integriert, werden Banken somit nachhaltig erfolgreich. Es zeigt sich somit: der wesentliche Erfolgsfaktor für Banken, die einen Wettbewerbsvorteil durch die neuen digitalen Möglichkeiten erlangen wollen, ist deren Entrepreneurship-Ausrichtung“, heisst es in der Studie. Das erklärt auch, warum Startups trotz fehlender Budgets und Verbindungen oft erfolgreicher bei digitalen Innovationen sind. Startups haben in der Regel eine starke Entrepreneurship-Ausrichtung. Der Weg nach vorne für große Unternehmen wäre also, die EO in ihren Organisationen zu stärken, die Mitarbeiter zu eigenen Ideen aufzufordern und eine Kultur zu schaffen, in der innovatives und unternehmerisches Denken belohnt wird.

Quelle: „Entrepreneurial Orientation“ als Erfolgsfaktor für Banken – MQ Management und Qualität (m-q.ch)

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