Softwarefirmen, besonders kleinere und jüngere, stehen oft vor Herausforderungen, wenn sie sich in der Unternehmenswelt bewegen. Partnerschaften können helfen, die Herausforderungen zu meistern.

Pressemitteilungen wie diese tauchen in letzter Zeit immer häufiger auf: „ECOFIN und MMG Management Consulting schließen Vertriebs- und Implementierungspartnerschaft für FINFOX in Österreich.“

ECOFIN ist ein Softwareunternehmen, das Softwaretools für Banken und andere Finanzinstitute, aber auch für Family Offices oder Stiftungen anbietet. Die digitale Beratungsplattform FINFOX wird von mehr als 250 Banken in der Schweiz, Liechtenstein und anderen Ländern eingesetzt. MMG ist eine technologieorientierte Beratungsboutique, die sich auf Sourcing, Digitalisierung und Bankdienstleistungen konzentriert.

Was ist daran interessant?

Softwarefirmen und Unternehmensberater: eine Win-Win-Win-Situation

Unternehmen, die digitale Tools anbieten, haben oft eine zentrale Herausforderung: Sie verkaufen ein Produkt an Firmenkunden, die oft in einer völlig anderen Welt leben. Nehmen Sie das obige Beispiel: Software und Bankwesen könnten nicht unterschiedlicher sein, was die Kulturen und die Art und Weise betrifft, wie Menschen über Prozesse und Herausforderungen denken.

Noch schwieriger wird es, wenn es sich um kleine Software-Firmen handelt, möglicherweise um Startups (im Gegensatz zu ECOFIN, einem Unternehmen mit einer 30-jährigen Erfolgsgeschichte und mehr als 50 Mitarbeitern). Aber stellen Sie sich vor, ein kleines Startup mit seinem enthusiastischen Team aus superschlauen Tech-Nerds sitzt einem konservativen Unternehmensvorstand gegenüber, der nach anderen Regeln spielt: Entscheidungsprozesse sind deutlich länger, Feedback-Zyklen dauern Wochen, und die Dinge sind einfach viel korporativer und weniger agil als in der Startup-Welt. Ein Scheitern ist hier vorprogrammiert.

Und genau da kann die Partnerschaft mit etablierten Beratungsunternehmen sehr sinnvoll sein. Berater sind Experten darin, sich durch Unternehmensstrukturen zu arbeiten, mit verschiedenen Stakeholdern zu kommunizieren und Projekte durch die Unternehmenspolitik, Widerstände und manchmal ineffiziente Strukturen zu bringen. Kurz gesagt: Sie sind gut in dem, was vielen Tech-Firmen fehlt, nämlich im unternehmerischen Projektmanagement.

Auf der anderen Seite haben Tech-Firmen etwas, was Unternehmensberater oft nicht haben: Eine bestehende Technologie, die ein Problem lösen kann. Das soll nicht heißen, dass Berater keine Probleme lösen können (Smiley), aber sie haben in der Regel keine Out-of-the-Box-Lösung, die ein bestimmtes Problem lösen kann, vielleicht nur mit ein paar Anpassungen hier und da, um die individuellen Anforderungen des Kunden zu erfüllen. Berater können sich mit Technologiefirmen zusammentun, um ihr Produkt zu „verkaufen“ – eine Win-Win-Situation.

Und solche Partnerschaften könnten auch eine Win-Win-Win-Situation sein, da auch der Kunde gewinnt. Es ist wirklich eine Herausforderung für Unternehmen, mit Tech-Startups zu arbeiten, die ihre Welt nicht verstehen. Einen Berater an Bord zu haben, der das Projekt vorantreibt, könnte daher helfen.

Berater wollen neutrale Spieler bleiben

Nun ist es für Startups nicht so einfach, seriöse Beratungsunternehmen für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Erstens wollen Berater in der Regel produktagnostisch sein. Das gibt ihnen das neutrale Image des Beraters, was ihren Kundenbeziehungen zugute kommt. Zweitens wollen sie nicht Ihr Türöffner sein, also werden sie wahrscheinlich nicht den Verkauf für Sie übernehmen.

Das ist nur fair. Aber am Ende wollen auch Beratungsunternehmen Geld verdienen. Wenn Sie also eine grundsolide Lösung haben, die ein echtes Problem löst, warum sprechen Sie nicht mit ein paar Beratern und schauen, ob Sie eine Partnerschaft eingehen können. Fragen kostet nichts.

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