Das in der Schweiz ansässige Insurtech Helvengo hat eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, die u.a. von Seed X Liechtenstein unterstützt wurde.

Insurtechs sind auf dem Vormarsch und haben sich zum Ziel gesetzt, die Versicherungsbranche zu verändern. Und es gibt tatsächlich eine Menge zu verändern: Wie der Rest der Finanzindustrie sind auch die Versicherungsriesen von veralteten Systemen, manuellen Prozessen, Bürokratie und Papierkram geplagt.

Es gibt also eine Menge Dinge, die besser gemacht werden können. Einer der ambitionierten Disruptoren ist das in der Schweiz ansässige Insurtech-Startup Helvengo. Das Unternehmen hat in seiner Seed-Runde über 4 Millionen Euro eingeworben. Einer der Hauptinvestoren war das in Liechtenstein ansässige Unternehmen Seed X Liechtenstein. Weitere Investoren waren TX Ventures, Hypoport, PostFinance, Anamcara Capital, Plug and Play, Conny&Co und verschiedene Business Angels.

Herausforderungen von Startups und KMU

Helvengo wurde erst letztes Jahr auf dem Schweizer Markt lanciert und bietet Versicherungsprodukte an, die auf die Bedürfnisse von Unternehmern, Startups und KMU zugeschnitten sind, die alle einen sehr spezifischen Versicherungsbedarf haben.

Ein Problem, mit dem diese drei Gruppen auf dem traditionellen Versicherungsmarkt konfrontiert sind, besteht darin, dass sie ein anderes Risikoprofil haben als der Mainstream. Aus der Sicht eines Versicherers ist ein Unternehmer anderen Risiken ausgesetzt als ein Angestellter. Ebenso sind Start-ups und KMU mit anderen Risiken konfrontiert als größere, etablierte Unternehmen.

Aufgrund ihres nicht standardisierten Risikoprofils müssen sich diese Kundengruppen oft mit undurchsichtigen und komplexen Versicherungsangeboten auseinandersetzen. Der Abschluss einer Versicherung ist zudem sehr zeitaufwändig, da nicht standardisierte Prozesse meist manuell durchgeführt werden. Das bedeutet auch, dass diese Kunden für die Versicherungsunternehmen kostspieliger sind und daher keine Priorität haben.

Die Lösung von Helvengo

Helvengo hat sich vorgenommen, dieses Problem mit digitalen Technologien zu lösen. Vedran Pranjic, Mitbegründer von Helvengo, sagte: „Wir bieten KMU die Möglichkeit, ihre Risiken in wenigen Minuten zu analysieren und abzusichern. Damit machen wir den gewerblichen Versicherungsmarkt digitaler, transparenter und kostengünstiger.“

Das Unternehmen führt eine Risikoanalyse durch und stellt automatisch Angebote für Berufshaftpflicht-, Cyber- und D&O-Versicherungen zusammen. Dieser Markt hat ein geschätztes Volumen von über 75 Milliarden Euro. Helvengo will schnell Marktanteile gewinnen, indem es sich den Herausforderungen stellt, mit denen Unternehmer, Start-ups und KMU konfrontiert sind.

Ausblick

Pranjic betont, dass manuelle und papierbasierte Prozesse nicht nur ein Problem für Kunden, sondern auch für Versicherer und Makler sind.

„90 % des Marktes werden über Versicherungsmakler bedient, aber der Abschluss von Unternehmensversicherungen nimmt einen großen Teil des Tages eines Maklers in Anspruch“, sagt Pranjic. „Stunden werden damit verbracht, Angebote einzuholen, dem Kunden zu helfen, sie zu verstehen, Formulare zu bearbeiten und viel mit den Versicherungsunternehmen hin und her zu gehen, um die Verträge abzuschließen.

Die neue Investition aus der 4-Millionen-Euro-Seed-Runde wird dem Unternehmen helfen, auf den deutschen und europäischen Markt zu expandieren. Das Startup will auch durch Partnerschaften mit Plattformen oder Ökosystemen wachsen, da es sich überall dort digital integrieren kann, wo Versicherungsbedarf besteht. Zum Beispiel bei der Beantragung eines Unternehmenskredits, der Eröffnung eines Bankkontos oder der Anschaffung neuer Geräte. Das bedeutet, dass die Kunden Versicherungsschutz erhalten können, ohne zusätzliche Fragen beantworten zu müssen.

Insurtech hat enormes Potenzial, und die Ökosysteme in der Schweiz und in Liechtenstein haben bereits mehrere vielversprechende Startups hervorgebracht. Dass ein Startup aus der Schweiz mit Unterstützung aus Liechtenstein erfolgreich ist, ist ein guter Schritt nach vorne.

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