Eine neue Studie zeigt, dass die Schweizer Fintech-Industrie wächst und reift. Das ist positiv für Liechtenstein, denn die Ökosysteme beider Länder sind stark miteinander verbunden.

In den letzten Jahren hat sich Liechtenstein als Fintech-Drehscheibe im Herzen Europas positioniert, mit einem starken Fokus auf Blockchain- und Krypto-Technologien. Was als Idee begann, hat sich bisher gut bewährt. Unternehmen aus der ganzen Welt strömen nach Liechtenstein, um die Vorteile des einzigartigen Ökosystems des Landes zu nutzen.

Neben innovationsfreundlichen Institutionen, einem fortschrittlichen Regulierungsrahmen und der Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ist die Nähe zur benachbarten Schweiz, die eine florierende Banken- und Fintech-Gemeinde beheimatet, ein weiterer Faktor, der Liechtenstein attraktiv macht. Die liechtensteinische Fintech-Branche profitiert in vielerlei Hinsicht von dieser engen Verbindung: Die Verfügbarkeit von Know-how und Talent, Synergien zwischen Unternehmen, Zugang zu Finanzierungsquellen und Wissensaustausch sind einige der Vorteile.

Die Hochschule Luzern hat nun die Ausgabe 2020 ihrer jährlichen IFZ-Fintech-Studie veröffentlicht, die Einblicke in das Schweizer Fintech-Ökosystem und seine Position im globalen Gesamtmarkt gibt. Sie zeichnet ein vielversprechendes Bild.

Highlights der Studie: gesundes Wachstum und Konsolidierung

Ende 2019 hatten sich 382 Fintech-Unternehmen in der Schweiz niedergelassen, was einer Zunahme von 7% gegenüber 2018 entspricht. 70 % dieser Unternehmen bieten Lösungen im Bereich des Investitionsmanagements oder der Bankinfrastruktur an, wobei die am häufigsten verwendeten Technologien die Prozessdigitalisierung, die Automatisierung und die Robotik, sowie die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) sind.

Quelle: IFZ Fintech-Studie 2020

Das Wachstum war langsamer als im Vorjahr. Die Finanzierung deutet jedoch darauf hin, dass die Schweizer Fintech-Unternehmen reifen und sich über das Seed-Stadium hinaus entwickelt haben. Das Finanzierungsvolumen der Serie B ist im Vergleich zum Vorjahr um 115% gestiegen. Einige der grössten Finanzierungsrunden der Serie B im Jahr 2019 waren Numbrs Personal Finance (CHF 40 Millionen) und Loanboox (CHF 22 Millionen).

Quelle: IFZ Fintech-Studie 2020

Auch das Schweizer Fintech-Ökosystem hatte 2019 erste erfolgreiche Exits erlebt, und es gab mindestens vier Übernahmen. Beides deutet darauf hin, dass sich die Branche immer mehr konsolidiert und in den kommenden Jahren eine zunehmende IPO-Aktivität vorausgesagt werden kann.

Token Verkäufe sind im Vergleich zu 2018 zurückgegangen

Das Gesamtfinanzierungsvolumen ist jedoch im Jahr 2019 um 35 % zurückgegangen. Insbesondere die ICO-Tokenverkäufe sind, wie in den meisten Teilen der Welt, zurückgegangen, wobei nur vier grosse Tokenverkäufe zusammengenommen 10 Millionen US-Dollar einbrachten. Diese Zahl bezieht sich jedoch auf die ICOs, die seit 2018 allgemein an Kraft verloren haben.

Quelle: IFZ Fintech-Studie 2020

Betrachtet man jedoch den Bericht CV VC Crypto Valley 50, so zeigt die lokale Krypto-Gemeinschaft immer noch ein starkes Wachstum. Die Zahl der Blockchainunternehmen in der Region ist im letzten Jahr ständig gewachsen, mehr als 1.000 Arbeitsplätze sind hinzugekommen, und die ersten Krypto-Banken haben ihre Arbeit aufgenommen, zwei davon in der Schweiz. Selbst wenn die ICO-Volumina 2019 zurückgehen, ist es daher wahrscheinlich, dass die Tokenverkäufe wieder zunehmen und in den nächsten Jahren wachsen werden, auch wenn sie wahrscheinlich eher in Form von STOs als von ICOs erfolgen werden.

Die IFZ-Studie hat auch die Schweizer Städte auf der Weltkarte platziert, wobei Zürich nach Singapur als zweitwichtigster Fintech-Hub gilt und Genf an dritter Stelle steht.

Quelle: IFZ Fintech-Studie

Insgesamt zeichnet der Bericht ein positives Bild und zeigt die Bedeutung der Schweiz in der globalen Fintech-Branche auf. All dies ist sicherlich auch positiv für die in Liechtenstein ansässigen Fintech-Unternehmen, die stark mit den in der Schweiz ansässigen Unternehmen vernetzt sind.

Bilder: ©shutterstock, ©Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ