Mehrere Bildungseinrichtungen haben sich mit UNICEF Schweiz und Liechtenstein zusammengetan, um eine App zu entwickeln, mit der Kinder ihre Rechte kennenlernen können. Sie wird rechtliche Inhalte, ein Quiz und eine Notruftaste enthalten.

Ein Projekt von UNICEF Schweiz und Liechtenstein, der Ostschweizer Fachhochschule (OST) und der PH Luzern will Kinder mittels einer App über ihre Rechte informieren. Ziel ist es, ein Mandat der UN-Kinderrechtskonvention zu erfüllen und gleichzeitig Kindern ein verantwortungsvolles Medienverhalten beizubringen. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für Gestaltungsworkshops mit Kindern.

Nicht viele Kinder kennen ihre Rechte

In der UN-Kinderrechtskonvention sind die Rechte von Kindern festgeschrieben. Eines dieser Rechte ist es, informiert zu werden und Lernerfahrungen zu sammeln. Ein aktueller Bericht des Netzwerks Kinderrechte in der Schweiz zeigt, dass nicht jedes Kind seine Rechte genau kennt.

Wer ist dafür verantwortlich, Kinder über ihre Rechte aufzuklären? Eltern, Schulen? Wahrscheinlich beides, aber die Realität ist, dass sich Kinder und junge Erwachsene heute zunehmend über Smartphones informieren. Warum also nicht eine App bauen?

Das haben die OST – Ostschweizer Fachhochschule, UNICEF Schweiz und Liechtenstein sowie die Pädagogische Hochschule Luzern nun initiiert. Ein interdisziplinäres Team entwickelt eine digitale Lösung zur Vermittlung von Kinderrechten. Das Projekt wird von der Paul-Schiller-Stiftung, dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) und UNICEF finanziert.

Rechtliche Inhalte, ein Quiz und ein Notrufknopf

Schweizer Experten auf dem Gebiet der Kinderrechte helfen bei der Gestaltung der Anwendung. Um eine zielgruppengerechte Web-Applikation zu entwickeln, werden im kommenden Herbst 6- bis 12-jährige Kinder in kindgerechten Workshops einbezogen. Der Fokus der Anwendung wird auf gefährdeten Gruppen liegen.

„Kinder in schwierigen Situationen sollen in Zukunft die Möglichkeit haben, sich über die Web-App über ihre Rechte und mögliche Anlaufstellen zu informieren“, sagt Regula Flisch, Dozentin mit dem Schwerpunkt Kinderschutz und Initiatorin des Projekts.

„Unsere digitale Lösung soll bestehende Offline-Angebote optimal ergänzen und von möglichst vielen Organisationen, die in der Schweiz im Bereich der Kinderrechte tätig sind, unterstützt, genutzt und verbreitet werden“, ergänzt Matthias Baldauf, Co-Projektleiter und Professor am Institut für Informations- und Prozessmanagement der OST.

Die App wird rechtliche Inhalte, ein Quiz und einen Notruf-Button enthalten. „Trotz der eher trockenen Inhalte sollen die einzelnen Kinderrechte für die Kinder spielerisch und interaktiv aufbereitet werden“, ergänzt Nicole Hinder, Leiterin der Kinderrechtsarbeit und Mitglied der Geschäftsleitung bei UNICEF Schweiz und Liechtenstein.

Verbreitung entscheidend für den Erfolg

Die App wird durch das Projektnetzwerk, bestehend aus verschiedenen Schweizer Kinderrechtsinstitutionen, zusammen mit entsprechendem Informationsmaterial vertrieben. Durch die Optimierung der Webanwendung für Smartphones soll eine möglichst weite Verbreitung und Nutzung ermöglicht werden, auch bei Fachkräften im schulischen und ausserschulischen Bereich.

„Eine solche Anwendung zum Thema Kinderrechte und deren Entwicklung mit Kindern gibt es in der Schweiz bisher nicht“, erklärt Thomas Kirchschläger, zuständig für Menschenrechtsbildung an der PH Luzern. „Nach unseren Erfahrungen in der Menschenrechtsbildung ist es wichtig, immer wieder neue Zugänge und Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder zu eröffnen, wenn es um ihre Rechte geht. Der Blick über die Länder-, Themen- und Altersgrenzen hinweg zeigt einige ähnliche Projektansätze, zum Beispiel in Österreich oder im deutschen Bundesland Hessen, die uns im Projekt als Referenz dienen werden“, so Kirchschläger.

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