Ab Oktober 2020 wird es keine blauen und orangen Zahlscheine mehr geben. Stattdessen wird es QR- und eBills geben. Das scheint nicht der große digitale Schub zu sein, auf den wir alle gewartet haben, aber bedenken Sie, dass die Digitalisierung der Finanzindustrie nicht über Nacht geschieht.

PostFinance ist ein Finanzdienstleistungsunternehmen, das Banken und anderen Finanzinstituten in der Schweiz und Liechtenstein Zahlungslösungen anbietet. Bisher bot PostFinance blaue und orangefarbene papierbasierte Einzahlungsscheine (EZS) an, um Geld auf ein Bankkonto einzuzahlen oder Geld von einem Bankkonto zu überweisen. Laut PostFinance wird die Verwendung dieser Dokumente am 30. September 2022 eingestellt; dann stellt das Unternehmen vollständig auf die digitale Rechnungsstellung um.

QR-Rechnungen sollen Papierformat ersetzen

Bereits am 30. Juni 2020 hat PostFinance das neue QR-Format eingeführt. Ziel ist es, Zahlungen schneller, einfacher und sicherer zu machen. Die QR-Rechnung kann komplett digital oder auf Papier ausgedruckt verwendet werden, im Gegensatz zur sogenannten „eBill“, die direkt an das E-Mail-Konto des Empfängers gesendet und über das Online-Banking bezahlt wird. Der Ausdruck der QR-Rechnung enthält – neben dem QR-Code – alle relevanten Informationen wie Empfänger, Kontonummer, Referenznummer und den gewünschten Betrag. Wer also seine Rechnungen in der Bankfiliale bezahlen möchte, kann dies auch weiterhin tun.

Wolfgang Strunk von der Liechtensteinischen Post AG erklärt auf einer lokalen Nachrichtenseite: „Wenn man die QR-Rechnung elektronisch erhält, zum Beispiel per E-Mail, kann man sie ausdrucken.“ Es ist auch möglich, sie über Online-Banking zu bezahlen, indem man die Referenznummer eingibt.

Die Digitalisierung von Finanzdienstleistungen kommt bisher nur langsam voran

Die Abkehr von papierbasierten Einzahlungsscheinen steigert die Effizienz und ist in vielen Unternehmen längst überfällig. Zahlungsdienste machen es heute möglich, Rechnungen mit wenigen Klicks zu bezahlen, warum sollte jemand noch papierbasierte Einzahlungsscheine verwenden wollen? „Die Digitalisierung ist der Schlüssel zur Veränderung von Zahlungsdiensten. Sie ist die Grundlage für automatisierte und effiziente Zahlungsdienste mit einem minimalen Fehlerpotenzial“, sagt Strunk.

Die Herausforderung bei der Digitalisierung und Automatisierung des Zahlungsverkehrs in großen Banken und anderen Finanzdienstleistungsunternehmen besteht darin, dass es einen enormen Aufwand bedeutet, Altsysteme zu verändern, die seit vielen Jahren im Einsatz sind. In vielen Banken ist die Kernsoftware so alt, dass viele Entwickler nicht einmal die Programmiersprache kennen, in der sie geschrieben wurde. Während es also einfach klingt, ein altes Formular durch ein neues Online-Format zu ersetzen, ist es komplizierter, als die meisten Leute denken. Wenn Finanzdienstleister also kleine Schritte zur Digitalisierung ihrer Dienstleistungen machen, ist das in den meisten Fällen bereits ein großer Schritt nach vorn.

In den kommenden Jahren wird die Digitalisierung von Finanzdienstleistungen wahrscheinlich schneller voranschreiten als in den vergangenen Jahren. Die COVID-Pandemie hat die Denkweise in den Banken verändert und die Dringlichkeit der Digitalisierung aufgezeigt – ebenso wie den Mangel an digitalen Werkzeugen. Laut einer aktuellen Studie ist die gute Nachricht, dass die Schweizer und Liechtensteiner Banken in Europa führend in der Digitalisierungsstrategie sind. Jetzt geht es darum, diese Strategien in die Tat umzusetzen und die Kräfte der Digitalisierung zu entfesseln. Selbst etwas scheinbar Kleines, wie eine QR-Rechnung, ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung.

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