Der NFT-Bereich wächst, und die liechtensteinischen Unternehmen sind mit an Bord. Ein Grund für NFT-Firmen, von Liechtenstein aus Geschäfte zu machen, ist die Rechtssicherheit.

Non Fungible Tokens, oder „NFTs“, sind seit einiger Zeit in aller Munde. Die Idee ist, das Recht auf einen digitalen Vermögenswert in Form eines digitalen Tokens darzustellen. Ein NFT könnte zum Beispiel ein digitales Kunstwerk oder eine digitale Darstellung eines realen Wertes wie einer Stadionkarte darstellen.

Bislang ist der bekannteste Anwendungsfall für NFTs der Bereich der digitalen Kunst. Anaida Schneider, eine ehemalige Bankangestellte, gehört zu den Befürwortern dieser Art von Eigentumsstrukturen. Ihr in Liechtenstein ansässiges Unternehmen Artessere bietet Quadrate von Gemälden sowjetischer Künstler an.

Investoren können gegen eine geringe Gebühr einen Anteil an diesen Gemälden für 100 oder 200 Euro pro Stück erwerben. Wenn Schneider die Gemälde mit Gewinn verkauft, erhalten die Investoren ihren Anteil am Gewinn. Sie gibt sich selbst zehn Jahre Zeit, um sie weiterzuverkaufen.

„Nicht jeder hat eine Million Dollar, die er investieren kann“, sagte sie in einem Interview mit der Nachrichtenseite AFP. „Also kam ich auf die Idee, die Bilder aufzuteilen und wie einen Investmentfonds zu gestalten, aber auf der Blockchain.“

Finanzielle Inklusion

Das ist es, worum es bei NFTs teilweise geht: Anlageklassen wie Kunst, die bisher hohe Einstiegshürden hatten, für Anleger mit kleinem Geldbeutel zugänglicher zu machen.

NFT-Kunstwerke machten im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 2,8 Milliarden US-Dollar aus, und dieser Wert ist laut dem Analystenunternehmen NonFungible in der ersten Hälfte dieses Jahres nur leicht zurückgegangen.

Das bedeutet auch, dass der NFT-Sektor in diesem Jahr im Allgemeinen besser abgeschnitten hat als der gesamte Kryptosektor, in dem Bitcoin seit seinem Allzeithoch mehr als 50 Prozent verloren hat.

Sammler und Künstler experimentieren weiterhin mit dieser Technologie. Ein Fünftel der 300 von der Website Art+Tech Report befragten Sammler gab an, dass sie sich bereits mit dem sogenannten Bruchteilseigentum beschäftigt haben.

Eine Chance für Museen

Auch Museen engagieren sich. 13 italienische Museen haben kürzlich mit Cinello, einem Unternehmen, das digitale Reproduktionen in limitierter Auflage verkauft, Verträge unterzeichnet, um das Eigentum an digitalen Repliken von Kunstwerken anzubieten.

Während die Käufer der Kunstwerke eine einzigartige, auf der Blockchain basierende digitale Kopie erhalten, die sie auf einen Bildschirm projizieren, und ein Zertifikat des Museums, erhält das Museum die Hälfte des Erlöses.

Nach Angaben von Cinello wurden bereits mehr als 200 Werke digitalisiert, was den italienischen Museen zusätzliche Einnahmen in Höhe von 296.000 Euro beschert hat.

Rechtliche Bedenken

Neben den Versprechungen der Technologie gibt es auch rechtliche Bedenken. Ein Sprecher des italienischen Kulturministeriums sagte, NFTs seien „komplex und unreguliert“. Er forderte die Museen außerdem auf, keine neuen Verträge im Zusammenhang mit NFT zu unterzeichnen.

Um rechtliche Komplikationen zu vermeiden, ist Schneider Eigentümerin der von ihr verkauften Gemälde. Im Moment scheint dies aus rechtlicher Sicht der sicherere Weg zu sein.

Schneider betont auch, dass ihr Projekt in Liechtenstein gesetzlich geschützt ist. Das Land hat das Blockchain-Gesetz erlassen, das die rechtlichen Aspekte der Blockchain-Technologie und des digitalen Eigentums regeln soll.

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