Die Umsätze der Liechtensteinischen Post AG im Brief- und Zahlungsverkehr sind stark rückläufig. Ein Boom bei den Paketdiensten gleicht das nur teilweise aus. Die Post muss sich auf die digitale Transformation einlassen.

Die Digitalisierung disruptiert eine ganze Reihe von Branchen, manche mehr als andere. Eine, die sich der digitalen Transformation zweifelsohne nicht entziehen kann, ist die Post. E-Mails haben die physische Post weitgehend ersetzt, digitale Bezahl-Apps und Videoident machen Postämter obsolet. Die Pandemie hat einen Trend stark beschleunigt, der ohnehin schon im Gange war.

Umsätze sinken

Die Liechtensteinische Post musste im Jahr 2020 einen Umsatzrückgang von 9 Prozent bei den Briefdienstleistungen hinnehmen. Noch stärker hat sich der Zahlungsverkehr verschlechtert. Im Vergleich zu 2019 hat Liechtenstein 13 Prozent weniger Zahlungsvorgänge in den Postfilialen abgewickelt.

„Das ist leider kein temporärer Effekt, sondern führt zu dauerhaft geringeren Umsätzen mit nachhaltiger Wirkung auf unser Jahresergebnis, für das laufende Geschäftsjahr, aber auch für die nahe Zukunft“, sagt Roland Seger, CEO der Liechtensteinischen Post AG. Er glaubt nicht, dass sich die Digitalisierung, die den Post- und Zahlungsverkehr des Unternehmens belastet, nach der COVID-19-Ära zurückentwickeln wird. Es ist ein permanenter Strukturwandel, der die Postdienste überall stark beeinflussen wird.

Paketdienste

Trotz der erheblichen Umsatzeinbußen gibt es einen Grund zum Optimismus: Seit Beginn der Pandemie hat ein E-Commerce-Boom zu einer höheren Nachfrage nach Paketdiensten geführt. Die Volumina sind um 25 Prozent gestiegen, da die Menschen aufgrund von Sperrungen gezwungen sind, mehr online zu bestellen. Die Einnahmen aus diesem Geschäft haben die Rückgänge in anderen Bereichen teilweise kompensiert, aber eben nur teilweise. Die Leichtensteinische Post AG hat einen Jahresgewinn von 2,4 Millionen Franken erzielt.

„Die positive Entwicklung [bei den Paketdienstumsätzen] ist kritisch zu sehen. Wir können für die Zukunft nicht die gleichen Wachstumsraten erwarten, und sie reicht auch nicht aus, um die Verluste bei den Briefdiensten zu kompensieren“, erklärt Seger. Die Margen der Paketdienste sind niedriger, da die Kosten für Zustellung und Transport höher sind.

Der Weg in die Zukunft

Die Liechtensteinische Post ist ein gutes Beispiel für die digitale Disruption. Es heißt wachsen oder gehen; die „alte“ Welt muss sich anpassen. Aber es ist nicht so, dass Postdienste sich nicht digital transformieren können. Die polnische Post hat eine App, mit der Jugendliche ein digitales Foto an ihre Großmütter schicken können, die kein Handy oder Internet haben. Die App wandelt ein digitales Foto in ein gedrucktes Foto um und liefert es der Oma so, wie sie es gewohnt ist.

Die schweizer Post hat einen eigenen Innovationsarm, der neue Technologien mit Kunden testet. Ein Beispiel ist ein Zustellroboter, der für kurze Strecken in der Nachbarschaft konzipiert ist. Er sieht ein wenig aus wie ein kleiner Hund und ist sehr nützlich für Dinge, die schnell zugestellt werden müssen, wie Pizza oder Blumen. Die Post arbeitet auch an autonomen Shuttles, Drohnenzustellung, E-Voting und E-Health sowie an intelligenten Briefkästen.

Es gibt also einen Weg in die Zukunft, auch für Postdienste. Die Frage, die sich jedes Unternehmen stellen muss, ist: Was ist der Kern des Geschäftsmodells? Im Fall der Postdienste ist es, Dinge von A nach B zu bringen. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu tun, erst recht in einer digitalen Welt.

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