Die elf Gemeinden Liechtensteins wollen im IT-Bereich künftig noch stärker zusammenarbeiten. Eine zentrale Koordinationsstelle soll über Projekte entscheiden und diese priorisieren – ein guter Schritt in eine vernetzte Zukunft.

Liechtensteins Gemeinden sind in Sachen Digitalisierung auf dem Vormarsch. Sie wollen die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit im IT-Bereich fördern und eine zentrale Koordinationsstelle schaffen.

Grundlage für diesen Entscheid ist eine von den Gemeinden im vergangenen Jahr initiierte externe Analyse, die einen Handlungsbedarf bezüglich des digitalen Produktportfolios in den öffentlichen Verwaltungen aufzeigte. Die Analyse identifizierte auch die mangelnde gemeindeübergreifende Zusammenarbeit als Engpass für digitale Projekte.

Die Studie identifizierte 67 gemeinsame IT-Themen, die mehr Aufmerksamkeit erfordern. Auch gemeinsame Projekte mit der Landesverwaltung wurden identifiziert. Elf Kommunen haben beschlossen, grundlegende Projekte voranzutreiben, die die Basis dafür bilden, dass künftige Entwicklungsprojekte schneller und effizienter vorankommen. Dazu gehören die künftige Softwarearchitektur und einheitliche Sicherheitsanforderungen.

Mehr interkommunale Zusammenarbeit

Es ist ja nicht so, dass es zwischen den Gemeinden überhaupt keine Zusammenarbeit gäbe. Liechtensteins Gemeinden kooperieren in den verschiedensten Bereichen, so auch in der IT. Alle elf Gemeinden arbeiten seit rund zehn Jahren mit der gleichen Gemeindesoftware (Gesol) als Kernanwendung. Zehn Gemeinden nutzen zudem seit mehreren Jahren das Geschäftsverwaltungsprogramm ELO für die digitale Aktenführung und treiben dessen Entwicklung gemeinsam voran.

Die Anforderungen an die IT entwickeln sich jedoch weiter und steigen, insbesondere durch die fortschreitende Digitalisierung in Liechtenstein. Die Gemeinden wollen daher ihre bestehende Zusammenarbeit intensivieren und besser koordinieren, um den zukünftigen Herausforderungen möglichst gemeinsam und einheitlich zu begegnen.

Die Gemeinderäte aller Gemeinden haben in ihren Septembersitzungen beschlossen, eine gemeinsame Organisationsstruktur mit einer zentralen Koordinationsstelle zu schaffen, wie von der Schulleiterkonferenz angekündigt.

Ein zentraler Planungsausschuss

Die Hauptaufgabe der gemeinsamen Koordinierungsstelle wird es sein, alle laufenden Projekte zentral zu koordinieren, in einem Gesamtprojektportfolio zusammenzuführen und zu überwachen.

Darüber hinaus ist die Einführung eines systematischen Änderungs- und Releasemanagements einschließlich eines einheitlichen Testverfahrens notwendig, ebenso wie die Etablierung eines einheitlichen Prozesses zur Erfassung von Anforderungen und die Einrichtung eines Entscheidungsgremiums zur Priorisierung.

Die Entscheidung und Prioritätensetzung soll künftig in der Schulleiterkonferenz liegen. Ein Lenkungsausschuss, bestehend aus zwei Gemeindeleitern und einem Gesamtprojektleiter, steuert und begleitet die Projekte. Der Lenkungsausschuss berichtet der Schulleiterkonferenz regelmäßig über die laufenden Projekte.

Budgetbewilligungen von Jahr zu Jahr

Die Ausgaben für gemeinsame Projekte werden sich von Jahr zu Jahr ändern. Deshalb wird der anteilige finanzielle Aufwand künftig im Rahmen des regulären Haushaltsverfahrens in den Voranschlag der Gemeinden aufgenommen. Die Gemeinderäte genehmigen somit jedes Jahr die zu erwartenden Ausgaben für die IT-Kooperation.

Die Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit ist ein Schritt in eine vernetzte und digitale Zukunft. Digitale Infrastrukturen sind auf Vernetzung angewiesen. Das kann nur funktionieren, wenn das ganze Land an einem Strang zieht und mit der gleichen IT-Infrastruktur arbeitet.

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