Die Banken in Liechtenstein und der Schweiz sind die fortschrittlichsten in Europa, wenn es um digitale Strategien geht, zeigt eine aktuelle Studie. Das ist eine gute Nachricht, aber die Banken haben Mühe, ihre digitalen Strategien in die Tat umzusetzen.

Das neue Jahr hat begonnen, und es gibt bereits einige gute Nachrichten für Liechtensteins Bankenszene: Laut einer Studie des Swiss Finance Institute (SFI) und des Beratungsunternehmens zeb sind die Banken aus der Schweiz und Liechtenstein in Europa führend, was ihre Digitalisierungsstrategien angeht.

Die Studie trägt den Titel „Digital Pulse Check Schweiz“ und untersucht, wie gut die Banken in ganz Europa digitale Strategien umgesetzt haben. Das SFI hat die Studie zum zweiten Mal durchgeführt, und die Schweizer und Liechtensteiner Banken haben sich im Vergleich zum ersten Rating verbessert. Teil der Studie war eine Befragung von 159 Branchenführern aus europäischen Banken, davon 31 Prozent aus der Schweiz und Liechtenstein.

Führend in der Strategie

Die Ergebnisse zeigen, dass die Banken in der Schweiz und Liechtenstein in drei Bereichen Fortschritte gemacht haben: Digitalisierungsstrategie, Geschäftsmodell und Management & Organisation. In allen drei Bereichen rangieren die Banken im Jahr 2020 höher als im Jahr 2019.

Quelle: SFI

Schweizer und Liechtensteiner Banken glänzen vor allem auf der strategischen Ebene. Die Banken haben ihren Grad an digitaler Akzeptanz vertieft. „Bei den Bankmitarbeitern hat das Schreckgespenst der Digitalisierung sein Angstpotenzial verloren oder zumindest in seiner Intensität nachgelassen“, heißt es in der Studie. Was den Banken geholfen hat, ihre Digitalstrategien zu verbessern, ist das Hinzuziehen von Expertise von außerhalb der Bank, von Spezialisten, die neue Ideen und Impulse einbringen können, schlägt SFI vor. Vorzugsweise sollten diese Spezialisten Positionen besetzen, in denen sie funktionsübergreifend agieren können, denn Digitalisierungsbestrebungen beschränken sich selten nur auf einen isolierten Teilbereich eines Unternehmens.

Die Umsetzung ist die zentrale Herausforderung

Während die Schweizer und Liechtensteiner Banken auf strategischer Ebene weiter sind als ihre europäischen Kollegen, ist die tatsächliche Umsetzung dieser Ideen noch nicht so weit fortgeschritten. Und das ist eine gemeinsame Herausforderung nicht nur der Schweizer Banken, sondern in der gesamten Bankenlandschaft. Es ist einfach und schick, über Digitalisierung zu reden, und fast jede digitale Idee klingt zunächst einmal gut: Kosten senken, Erträge steigern, besseren Kundenservice bieten.

Die Herausforderungen beginnen jedoch, wenn ein neues System neben den bestehenden Altsystemen implementiert werden muss, wenn Mitarbeiter für den Umgang mit neuen Tools geschult werden müssen und wenn Kunden auf einen digitalen Service umgestellt werden müssen, statt auf das, was sie bereits gewohnt sind.

Und das ist auch weiterhin der Engpass für Schweizer Banken. „Dennoch sind immer noch Berührungsängste und die Sorge, vermeintlich bewährte Strukturen zu zerreißen, erkennbar“, heißt es in der Studie. Hier müssen die Banken mutiger sein. Ja, sie mögen heute ein laufendes System haben, aber wie lange wird es noch laufen? Neobanken, Zahlungsanbieter und Blockchain-Projekte greifen die Banken von allen Seiten an. Was heute funktioniert, wird morgen nicht mehr unbedingt funktionieren. In der Zukunft wird niemand mehr Bankschecks ausfüllen, und Bankfilialen werden weiter verschwinden. Diese Zukunft mag noch Jahre entfernt sein, aber sie beginnt bereits heute.

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