Die digitale Transformation ist ein zentraler Aspekt des „Strategischen Hauses“, dem Herzstück der Roadmap 2025 für den Bankenplatz Liechtenstein. Die Banken müssen nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis digitaler werden.

Bereits im Mai hat der Liechtensteinische Bankenverband seine Roadmap 2025 vorgestellt. Sie trägt den Titel „Wachstum durch Nachhaltigkeit und Innovation“, und die digitale Transformation spielt darin eine grosse Rolle. In einem Interview mit Finews hat CEO Simon Tribelhorn einige Einblicke in die Prioritäten des Verbandes gegeben.

Die Wertschöpfungskette der Banken

Auf die Frage nach den wichtigsten Herausforderungen, denen sich Liechtensteins Banken heute stellen müssen, betonte Tribelhorn die digitale Transformation. Sie verändert die Wertschöpfungsketten, erhöht den Wettbewerbsdruck, auch von Nichtbanken und verändert die Art und Weise, wie Kunden mit Banken interagieren.

Ein gutes Beispiel sind Kreditkarten, bei denen Fintechs die Karte anbieten und Banken die Finanzierung übernehmen. Da Fintechs häufig bessere Technologien, Produkte und Dienstleistungen anbieten, sind die Kunden eher geneigt, ihre Karten zu nutzen. Allerdings verfügen Fintechs meist nicht über die Finanzkraft und die Strukturen, um die zugrunde liegende Finanzierung zu organisieren, die Banken bereitstellen. Somit schneiden Fintechs einen Teil der Wertschöpfungskette aus und dominieren in diesem Fall sogar die Kundenbeziehungen, während sich die Banken auf die Finanzierung konzentrieren.

Das ist nur ein Beispiel; es gibt viele weitere. Die Herausforderung für die Banken besteht darin, dass sie nicht nur einen Teil ihres Geschäfts, sondern in einigen Fällen auch die Kontrolle über die Kundenbeziehung verlieren können. Bei der Umstellung auf Plattformbanken, die für Banken unvermeidlich ist, geht es also darum, möglichst viel Kontrolle über das Geschäft zu behalten und gleichzeitig im Wettbewerb zu bestehen.

Ausführung

Er spricht damit einen großen Schmerzpunkt der Banken in Liechtenstein und der Schweiz an. Anfang dieses Jahres zeigte eine Studie, dass die Banken in der Region zu den fortschrittlichsten in Europa gehören, was digitale Strategien angeht, aber nicht, wenn es um die digitale Umsetzung geht. Ein schickes Whitepaper zu schreiben und PowerPoint-Präsentationen zu erstellen ist eine Sache, digitale Prozesse zu betreiben oder digitale Produkte einzuführen eine ganz andere.

Tribelhorn betonte auch die Agilität als Kernanforderung für die digitale Transformation. „Agilität bedeutet für mich, zukünftige Entwicklungen frühzeitig zu antizipieren und konkrete Maßnahmen einzuleiten“, sagt er. „Aber das ist noch nicht alles, was dazu gehört. Das Problem ist die Umsetzung. Da müssen wir noch besser werden.“

Das strategische Haus

Ein zentraler Bestandteil der Roadmap 2025 wird das sogenannte „Strategic House“ sein, das Liechtenstein zu einem international führenden Unternehmen in der Vermögensverwaltung machen soll. Tribelhaus ist überzeugt, dass der Innovationsgeist in Liechtenstein die Banken des Landes in die Lage versetzen wird, eine wichtige Rolle bei der Umgestaltung der globalen Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu spielen und gleichzeitig einen höheren Mehrwert für die Kunden zu bieten.

Interessanterweise habe die COVID-Pandemie keinen grossen Einfluss auf den Inhalt der Roadmap gehabt, so Tribelhaus. „Als Bankstandort mit langer Tradition denken und handeln wir langfristig“, sagt er. „Deshalb hat die Pandemie bei der Formulierung des Strategischen Hauses auch keine große Rolle gespielt. Wir haben Vision, Mission, Kernwerte und Erfolgsfaktoren definiert, die sich ausschließlich auf die Zukunft und nicht auf die Gegenwart beziehen.“ Er sagt auch, dass COVID bewiesen hat, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt verändern wird und dass Nachhaltigkeit umfassend betrachtet werden sollte, anstatt isolierte Maßnahmen zu ergreifen.

Wenn Sie die gesamte Roadmap lesen möchten, finden Sie sie hier.

Bild: © Liechtenstein Bankers Association