Am 07. Juni tagte die Schweizer Informatikkonferenz (SIK) und diskutierte über die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung. IT-Entscheider aus der Schweiz und Liechtenstein stellten ihre aktuellen Projekte vor und tauschten ihre Erfahrungen aus.

Interim-Berater in Liechtenstein

Den Auftakt machte Martin Matt, Amtsleiter des Amtes für Informatik Liechtenstein (AIL), mit seinem Vortrag über das Modell der Berater auf Zeit. Matt erläuterte, wie das AIL externes Know-how in seine Digitalisierungsprojekte einbringt. Die grösste Herausforderung bei der Rekrutierung sei, dass die Verwaltung bei Digitalisierungsspezialisten kaum mit der Privatwirtschaft konkurrieren könne.

Hier kommen Interim-Berater ins Spiel. Ein Senior- oder Hauptberater wird für mehrere Projekte eingestellt. Er arbeitet intern mit einem Arbeitspensum von 80 Prozent. Das kombiniert die Vorteile, dass interne und externe Berater nebeneinander arbeiten, ihr Know-how teilen und voneinander lernen.

Matt ging auch auf die Liechtensteiner E-ID ein, die im April 2020 eingeführt wurde. Sie basiert auf einer Smartphone-App, ermöglicht Logins und die Übermittlung von persönlichen Daten an Webdienste und der Inhaber hat die volle Datenkontrolle. Zudem erhalten die Bürger das Covid-Zertifikat digital, das mit den jeweiligen E-IDs verknüpft und über die entsprechende App abrufbar ist.

Blockchain im Jura

Matthieu Lachat, Amtsleiter, und Xavier Baumgartner, Projektleiter beim Informatikdienst des Kantons Jura, präsentierten die KSI (Keyless Signature Infrastructure) Blockchain. Jura ist der erste Kanton in der Schweiz, der sie implementiert. Die Lösung zielt darauf ab, Prozesse zwischen der Bevölkerung und der Verwaltung zu zertifizieren. Ein Ziel des Projekts ist es, den Unsicherheiten und dem Misstrauen der Bevölkerung gegenüber digitalen Werkzeugen zu begegnen.

Hybrid Cloud und Microsoft 365 für den digitalen Arbeitsplatz

Marco Vögeli, Projektleiter Digital Workplace beim Amt für Informatik des Kantons Zürich, erläuterte den neuen digitalen Arbeitsplatz des Kantons. Dieser soll laut Vögeli die Mobilität erhöhen, moderne und flexible Arbeitsanforderungen unterstützen, den heutigen Sicherheitsstandards entsprechen und den Betrieb vereinfachen.

Der zukünftige digitale Arbeitsplatz der Zürcher Verwaltung wird mobil und flexibel sein. Damit reagiert die Stadt Zürich auf den Trend zum Homeoffice, der im Zuge der Pandemie eingesetzt hat. Das Projekt soll Hard- und Software sowie Sicherheitstechnologien wie das aktuelle IAM ersetzen. Die Basis für den zukünftigen Arbeitsplatz ist eine hybride Cloud-Architektur und Microsoft 365, letzteres bezeichnete Vögeli als  „derzeit etwas alternativlos“. Als Ersatz für die aktuelle Telefonanlage sollen aber auch andere Lösungen zum Einsatz kommen, denn es wird mehr benötigt, als Microsoft bieten kann.

Cloud-Zugangsprüfung für mehr Kontrolle

Christoph Schwalm, CISO und Projektleiter bei AR Informatik, berichtete von Erfahrungen, die Schweizer Verwaltungen bei einem Cloud-Access-Audit gemacht haben. Ein solches Audit soll erfassen, wie viele und welche Cloud-Dienste überhaupt genutzt werden. McAfee führte das Audit durch. Die Ergebnisse schienen auf den ersten Blick alarmierend: Über 2000 Cloud-Dienste im Einsatz, von denen über 60 als  „hochriskant“ eingestuft wurden. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass die fraglichen Dienste hauptsächlich von Datenschutzproblemen und nicht von Cybersicherheitsproblemen betroffen waren. Dennoch wurden einige Dienste gesperrt. Das Audit hatte unter anderem den positiven Effekt, dass der Kanton nun die Cloud-Strategie und -Governance ernster nimmt, wie Schwalm sagte.

Bild: © Die SIK – Schweizerische Informatikkonferenz