Mit nur 9,6 Prozent weiblichen Erfindern liegt Liechtenstein an zweitletzter Stelle in Europa, wie eine Umfrage des Europäischen Patentamts (EPA) zeigt. Die Erhöhung des Frauenanteils ist eine Aufgabe für die Bildungspolitik und private Unternehmen.

Nur in Österreich gibt es weniger Erfinderinnen (8 Prozent) als in Liechtenstein (9,6 Prozent), und Deutschland liegt mit 10 Prozent Erfinderinnen an drittletzter Stelle. Die Studie vergleicht die Erfinderinnenquote (Women Inventor Rate, WIR) der EPA-Länder, die den prozentualen Anteil der Erfinderinnen an allen Erfindern in Patentanmeldungen eines bestimmten Jahres misst.

Dass Liechtenstein ein kleines Land ist, ist demnach nicht der Grund für die niedrige Erfinderinnenquote. Vielmehr führt Lettland, ein Land mit 1,9 Millionen Einwohnern, die Liste mit einem WIR von über 30 Prozent an.

Die Analyse konzentriert sich auf alle europäischen Patentanmeldungen, die zwischen 1978 und 2019 eingereicht wurden, mit gelegentlichen Verlängerungen bis 2021, sofern möglich. Insgesamt ist der Anteil der Erfinderinnen in der EU im Laufe der Zeit stetig gestiegen, liegt aber immer noch unter der Parität mit den Erfindern, die Männer sind. Die Erfinderinnenquote (WIR) ist in allen untersuchten Ländern von rund 2 % in den späten 1970er Jahren auf über 13 % im Jahr 2019 gestiegen.

Weit abgeschlagen im internationalen Wettbewerb

Eine niedrige WIR ist ein Problem, denn sie bedeutet, dass Liechtenstein einen erheblichen Teil seines Innovationspotenzials ungenutzt lässt und Frauen nicht ausreichend in Forschung und Entwicklung eingebunden sind. Der Gender Gap fordert eine stärkere Förderung und Einbeziehung von Frauen in die Innovationstätigkeit. Andere Länder sind schon viel weiter, Liechtenstein muss also aufholen.

Spitzenreiter in Europa beim Anteil der Erfinderinnen ist Lettland mit 30,6 Prozent, vor Portugal (26,8) und Kroatien (25,8). Diese Länder haben insgesamt eher niedrige Patentanmeldezahlen. Aber auch in Ländern mit höheren Anmeldequoten wie Frankreich (16,6), Grossbritannien (12,4) und Schweden (12,2) ist der Anteil der Frauen an der Innovationstätigkeit höher als in Liechtenstein.

Liechtenstein liegt weit unter dem europäischen Durchschnitt von 13,2 Prozent und weit hinter den Durchschnittswerten anderer Regionen. Länder wie China oder Südkorea haben einen deutlich höheren Anteil an Patentanmelderinnen. Nach Angaben des EPA liegt der Anteil der Erfinderinnen in Südkorea bei 28,3 Prozent, in China bei 26,8 Prozent und in den USA bei 15 Prozent.

Eine Herausforderung für den öffentlichen und privaten Sektor

Die Unterschiede sind teilweise auf den jeweiligen technologischen Schwerpunkt der Patentaktivitäten zurückzuführen. Das EPA verzeichnet den höchsten Anteil von Erfinderinnen in der chemischen Industrie (22,4 Prozent) und den niedrigsten im Maschinenbau (5,2 Prozent). Ein Grund für die niedrigere Beteiligungsquote ist also, dass Liechtenstein in den Branchen mit höheren WIRs nicht gut vertreten ist.

Das EPA analysierte die Patentanmeldungen auch danach, ob sie von Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen oder von privaten Unternehmen stammen. Dabei fiel auf, dass der Anteil der Erfinderinnen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen (19,4 Prozent) in allen EPA-Ländern deutlich höher ist als in Unternehmen (10,0 Prozent).

Die Erhöhung des WIR ist somit eine Aufgabe für die Bildungspolitik und die liechtensteinischen Unternehmen. Die Rahmenbedingungen für Innovation und Kreativität müssen stärker an die Bedürfnisse von Frauen angepasst werden – insbesondere was die Flexibilität der Arbeitsmodelle betrifft.

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