Digitale Tools ändern nichts an der Tatsache, dass Menschen nicht reisen oder in einem Restaurant essen können. Diejenigen Gastgewerbebetriebe, die die Krise nutzen, um sich auf das vorzubereiten, was danach kommt, sind jedoch gut positioniert, um zu profitieren, wenn der Reiseverkehr wieder anspringt.

3 Stunden Debatte: Der Liechtensteiner Hotel- und Gastronomieverband (LHGV) diskutierte in einer Videokonferenz über die Herausforderungen der Branche. Gemeinsam mit 20 Vertretern verschiedener deutschsprachiger Gastgewerbeverbände folgte der LHGV einer Einladung der Hotellerie Suisse, um die Herausforderungen der Branche in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein zu thematisieren.

Natürlich war die COVID-Pandemie das dominierende Thema während des virtuellen Treffens. Wichtige Tagesordnungspunkte waren die Unterstützung der Industrie durch die Regierung und eine effiziente Ausstiegsstrategie aus den Sperrungen, um den Reiseverkehr in ganz Europa wieder zu ermöglichen. Die Realität vor Ort sieht anders aus. In Deutschland haben sich die Politiker auf eine weitere Runde von Lockdown-Maßnahmen geeinigt.

Gastgewerbe wird digital

Nach Angaben des LHGV diskutierten die Teilnehmer der Veranstaltung auch Digitalisierungsstrategien für die Branche. COVID ist nur ein Grund, warum das notwendig ist. Ein anderer ist die steigende Nachfrage nach Nachhaltigkeit und Konnektivität. Die Nachfrage nach digitalen Lösungen ist während der Pandemie sprunghaft angestiegen, auch im Tourismus, und das ist ein Trend, der sich wahrscheinlich fortsetzen wird.

Von der Recherche nach Reisezielen über die Buchung von Hotels und Flügen bis hin zu Restaurantbesuchen wollen Kunden ihre Reisen online planen. Das gilt nicht nur für die großen und bekannten Buchungsseiten wie Expedia, sondern auch kleinere Hotel- und Reiseveranstalter müssen ihre Online-Präsenz aufstocken.

Das können sie auf zwei Arten tun: Erstens müssen sie auf den großen Buchungsseiten gelistet werden – was die meisten von ihnen bereits tun. Aber zweitens müssen sie auch ihr eigenes Online-Angebot schaffen. Eine gut aufbereitete Website, informative Social-Media-Kanäle und ein Online-Chat oder E-Mail-Service erleichtern Buchungen und machen es einfach, Fragen zu stellen.

Auch kleine Unternehmen müssen sich digitalisieren

In Zukunft werden weniger Kunden durch die Tür eines lokalen Reisebüros kommen, da der Großteil des Informationsaustauschs und der Buchungen online stattfinden wird. Das bedeutet, dass auch lokale Reisebüros online gehen müssen. Ihr Vorteil liegt in der Kundenberatung, der einfachen Buchung und der Möglichkeit, bessere Preise zu finden und Komplettlösungen anzubieten. Es wird immer noch eine Nachfrage nach diesen Dienstleistungen in einer zunehmend digitalen Welt geben, aber diese Nachfrage wird sich in den digitalen Raum verlagern.

Reiseberater könnten damit beginnen, Video-Chat über ihre Website oder soziale Medien zu nutzen. Sie würden immer noch die gleichen Dienstleistungen wie bisher anbieten, aber die Kunden müssen nicht mehr zu ihren Büros pendeln. Sie rufen an, füllen ein Formular aus, drücken den Knopf, und schon ist der Urlaub gebucht.

Das Gleiche gilt für Restaurants: Warum nicht Tischreservierungen, Essenslieferungen – oder sogar Online-Kochkurse anbieten. Die Digitalisierung wird den Restaurants helfen, ihre Reichweite zu vergrößern und ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln, indem sie mehr als nur Essen und Essenserlebnisse anbieten.

Die Teilnehmer der virtuellen Konferenz räumen ein, dass es Zeit brauchen wird, bis die Branche wieder auf die Beine kommt. Digitale Lösungen werden in der aktuellen Situation nicht viel helfen, da die Menschen immer noch nicht reisen können. Doch die Zukunft kommt schnell, und diejenigen Gastgewerbeunternehmen, die die Krise nutzen, um ihre Systeme zu verbessern und zu digitalisieren, werden davon profitieren, sobald das Reisen wieder zurückkehrt.

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