Liechtenstein wird eine digitale Plattform für die Familienforschung aufbauen. Ziel ist es, Daten über verschiedene Gemeinden hinweg zu digitalisieren und zu konsolidieren.

Gemeinden sind nicht gerade dafür bekannt, innovativ zu sein. Viel zu viele Informationen sind noch auf Papier, und in den öffentlichen Ämtern kommt die Digitalisierung meist nur langsam voran.

Aber nicht überall. In Liechtensteins Hauptstadt Vaduz hat die Arbeitsgruppe „Familienforschung Liechtenstein“ ein Konzept für eine gemeindeübergreifende Plattform für Familienforschung entwickelt. Ziel ist es, die Familienforschung in Liechtenstein zu digitalisieren.

Öffentliche Daten digitalisieren

Fast jede Gemeinde in Liechtenstein führt die Familienbücher in gedruckten Ortsfamilienbüchern. Das erschwert die Erforschung der Familiengeschichte, die Historiker, aber auch neugierige Familienmitglieder betreiben.

Das zu ändern, hat sich die Arbeitsgruppe Familienforschung Liechtenstein zum Ziel gesetzt. Die Gemeindepräsidentin von Vaduz gründete die Gruppe im Jahr 2020 zusammen mit den Ortsvorstehern der liechtensteinischen Gemeinden. Seither hat die Arbeitsgruppe in mehr als 20 Sitzungen das Konzept der digitalen Plattform erarbeitet.

Die neue Plattform wird ein gemeindeübergreifendes Projekt sein. Alle Gemeinden werden sich an dieselbe Plattform anschliessen, statt dass jede Gemeinde ihre eigene Datenbank hat. Ein weiteres Ziel der Plattform ist die Veröffentlichung von Stammbäumen im Internet.

Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist die Datensicherheit und der Datenschutz. Um sicherzustellen, dass alle Regeln eingehalten werden, bleiben die jeweiligen Gemeinden für die Datenhoheit und die Datenverantwortung zuständig. Jede Gemeinde entscheidet, wie viele Daten und welche Art von Daten sie in die Plattform einspeist. Außerdem müssen sie Mindestanforderungen an die Datenpflege erfüllen.

Die nächsten Schritte

Die Umsetzung ist nach Angaben der Gemeinde Vaduz für die Jahre 2022 bis 2024 geplant. Alle teilnehmenden Gemeinden werden sich die Kosten nach einem Bevölkerungsschlüssel teilen.

Nach drei Jahren, also voraussichtlich im Jahr 2024, soll das Projekt in Betrieb gehen. Über die konkrete Beteiligung am Projekt „Familienforschung Liechtenstein“ werden die Gemeinden in den nächsten Gemeinderatssitzungen entscheiden. Der Vaduzer Gemeinderat jedenfalls befürwortet das Projekt: Er hat an seiner Sitzung vom Dienstag einen Kredit von 130’000 Franken für die ersten drei Jahre des Projekts bewilligt.

Family Research Liechtenstein wird das Projekt leiten und die Datenkonsolidierung sowie die Koordination der Datenmigration auf die gemeinsame Plattform übernehmen.

Das grosse Ganze

Was für Familiendaten gilt, trifft auch auf alle anderen Daten in öffentlichen Registern zu: Zu viele Daten sind immer noch papierbasiert und existieren in Datensilos im ganzen Land. Die Schaffung organisationsübergreifender Plattformen über verschiedene Standorte und Organisationen hinweg ist der Weg in die Zukunft.

Denken Sie zum Beispiel an wissenschaftliche Daten, die oft in verschiedenen Organisationen gespeichert sind, was die Koordinierung gemeinsamer Forschungsarbeiten erschwert. Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt würde schneller vonstatten gehen, wenn wir effizientere Möglichkeiten zur gemeinsamen Nutzung von Daten hätten.

Oder denken Sie an Wirtschaftsdaten: Wohnungsdaten, Produktionsdaten usw. Wenn wir eine branchenübergreifende Plattform hätten, die alle Arten von Wirtschaftsdaten sammelt, anstatt sie in Institutionen und Unternehmen zu isolieren, würden die politischen Entscheidungsträger viel bessere Einblicke in Trends und eine viel bessere Grundlage für Entscheidungen erhalten.

Wenn Sie also nicht gerade von einer Familienforschungsplattform begeistert sind, sollten Sie sich über die allgemeine Entwicklung organisationsübergreifender Plattformen freuen. Abgesehen von der Familienforschung gibt es eine breite Palette von Anwendungen.

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