Ein Bericht von Refinitiv zeigt den wachsenden Bedarf an Investmentdaten und Analysetools weltweit. Das ist eine riesige Chance für Unternehmen in Liechtenstein und der Schweiz, die im Herzen der europäischen Vermögensverwaltungsbranche sitzen.

Daten sind das wichtigste Gut des 21. Jahrhunderts. Ein neuer Bericht von Refinitiv mit dem Titel „The Gold Standard: Redefining Investor Data Needs“ befragte 1.030 Investoren in neun globalen Finanzzentren: Schweiz, Großbritannien, Australien, Kanada, China, Hongkong, Japan, Singapur und den USA. Die Umfrage ergab, dass sich 39 Prozent der Investoren nicht ausreichend mit den Daten und Inhalten ausgestattet fühlen, die sie benötigen, um optimale Anlageentscheidungen zu treffen.

Ein wachsender Bedarf an Daten

Die Studie zeigt, wie die COVID-19-Pandemie ein noch nie dagewesenes Maß an Unsicherheit, ein erhöhtes Volatilitätsniveau und veränderte Anlegererwartungen geschaffen hat. Das Ergebnis: Investoren haben einen wachsendes Bedürfnis nach Beratung, Daten und Analysen, um Chancen zu maximieren und Risiken zu minimieren.

Auch das Anlageverhalten ändert sich. Auf die Frage, inwieweit sich ihre Anlageaktivitäten im Jahr 2020 verändert haben, gaben 38 Prozent aller Befragten, die als Personen mit einer „Trading-Mentalität“ kategorisiert wurden, an, dass ihre Handelsfrequenz zugenommen hat. Bei den Millennial-Investoren stieg diese Zahl auf 44 Prozent. Auch das langfristige Anlegerverhalten ändert sich: 23 Prozent der Befragten gaben an, dass sie im vergangenen Jahr häufiger gehandelt haben.

All dies unterstreicht erneut den Bedarf nach mehr Daten, nicht nur an Standardpreisdaten, sondern auch an alternativen Datenquellen, die einen vollständigen Kontext liefern. Ebenfalls ein spannendes Ergebnis: Die Nachfrage nach ESG-Indikatoren, Nachrichten und Social-Media-Analysen steigt deutlich an: 34 Prozent der Befragten sind heute mehr an ESG-Investitionen interessiert als noch vor sechs bis zwölf Monaten. 61 Prozent der Millennial-Investoren sind jetzt eher bereit, in ESG zu investieren.

Analysetools geben Daten einen Sinn

Rohdaten allein reichen nicht aus: 54 Prozent der Befragten sagen, dass Analysen bei Entscheidungen im Portfoliomanagement nützlich wären. Analysetools helfen Anlegern, den Sinn der Daten zu erkennen und sie in einen Entscheidungsprozess einfließen zu lassen. Der Bericht von Refinitiv hebt die Bedeutung von Nachrichtenanalysen, Produktbewertungen, Website-Aktivitäten, Internetforen und ESG-Signalen in Echtzeit hervor.

Investoren suchen auch nach einem digitalen Multi-Channel-Erlebnis, das ihnen hilft, Daten zu verstehen und zu verwalten. Dazu gehört auch der Zugang zu einer Reihe von Multimedia-Inhalten, wie Webinare, Videos und Podcasts. Vermögensverwalter werden in Zukunft hochwertige Daten in Multimedia-Inhalte integrieren müssen, um ihre Kunden zu informieren und zu binden.

Chance für Liechtenstein

All das schafft Chancen für Startups und auch etablierte Unternehmen in Liechtenstein. Da Liechtenstein sowohl eine lebendige Technologie- als auch eine Finanzszene beheimatet, könnte das Land von diesen Daten- und Analysetrends profitieren.

Nicht nur der Privatanleger wird in Zukunft viel anspruchsvollere Datenbedürfnisse haben, auch Vermögensverwalter und -berater werden eine steigende Datennachfrage ihrer Kunden sehen. Wealth-Management-Plattformen und Analytik-Anbieter beginnen bereits, diesen Markt zu bedienen, aber es gibt noch Chancen für Newcomer in diesem aufstrebenden, aber schnell wachsenden Markt für Daten. Liechtensteiner Unternehmen könnten die Vorteile ihres Standorts nutzen, um dieses Chance zu nutzen.

Bild: ©Shutterstock