PWC Strategy und die Crypto Valley Association (CVA) haben den vierten ICO/STO-Bericht veröffentlicht – Ausgabe März 2019. Der Bericht zeigt, dass sich das tokenbasierte Fundraising langsam von ICOs zu STOs verlagert.

Die Hauptaussage des Berichts ist klar: Das Token-basierte Fundraising verzeichnet eine allgemeine Zunahme der Reife und einen Trend zu mehr Qualitätsprojekten und STOs.

Während das Token-basierte Fundraising 2018 einen schnellen Start hatte, gingen die Anzahl der erfolgreichen ICOs und das Volumen in der zweiten Jahreshälfte stark zurück. Dem Bericht zufolge ist dieser Rückgang auf eine Verschiebung von ICOs zu STOs sowie auf den Krypto-Bear-Markt zurückzuführen.

Die Gesamtzahl der erfolgreich durchgeführten ICOs und STOs lag 2018 bei 1.132 ICOs und STOs weltweit, doppelt so viel wie 2017. Der gesamte Erlös verdreifachte sich fast auf fast 20 Milliarden Dollar – allerdings machten die EOS und Telegram ICOs zusammen 5,8 Milliarden Dollar des Volumens von 2018 aus.

STO-Volumen noch niedrig, aber steigend

Die ersten STOs wurden 2017 durchgeführt und erreichten 22 Millionen Dollar. Die Zahl der STOs wuchs 2018 auf 28, was einem Gesamtvolumen von 442 Millionen US-Dollar entspricht – etwa 2% des gesamten tokenbasierten Fundraisings. Der Löwenanteil der STO-Mittel wurde in der zweiten Jahreshälfte 2018 aufgenommen, mit 232 Mio. $ in Q3 und 106 Mio. $ in Q4.

Das bisher grösste STO war die in den USA ansässige tZERO, eine Tochtergesellschaft des E-Commerce-Giganten overstock.com. tZERO erzielte im dritten Quartal 2018 einen Umsatz von 134 Millionen US-Dollar und stieg als erste STO in die Liste der 15 volumenmässig grössten ICOs/STOs ein.

PWC & CVA erwarten, dass das STO-Volumen in den Jahren 2019 und 2020 steigen wird, da die Anpassung der Finanzierungsmethode zunehmen wird. Daniel Diemers, Head of Blockchain EMEA bei PwC Strategy, sagt: „Der Trend zeigt, dass ICOs oder STOs aus Sicht der Anlagestrategie für Investoren für Risikokapitalfinanzierungen attraktiv bleiben. Es gibt jedoch einen Prozess des Umdenkens zugunsten von mehr Sicherheit und Transparenz für die Anleger.“

Kernkompetenzen der STOs

Der Bericht nennt fünf wesentliche Stärken der STOs:

  • Eine grosse Beteiligung ist möglich, niedrige Eintrittsbarrieren, Bruchteilseigentum an Token
  • Bessere Kosteneffizienz als herkömmliche Wertpapieremissionen
  • Vorschriften auf der Grundlage lokaler Wertpapiergesetze
  • Nachweis des Eigentums & Anwendung entsprechender Merkmale und Rechte
  • Rechtsverbindliche Anlegerrechte (z.B. Eigentums-, Stimm- und Dividendenrechte)

Im Hinblick auf die staatlichen Vorschriften identifiziert der Bericht die Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, die USA und Thailand als attraktive STO-Länder.

Herausforderungen für die Industrie

Trotz der insgesamt positiven Aussichten für die STOs weist der Bericht auch auf die anstehenden Herausforderungen hin. Schlüsselelemente einer kritischen Marktinfrastruktur fehlen noch oder sind zumindest noch nicht in der erforderlichen Qualität, heisst es im Bericht.

Der Bericht erklärt, dass regulierte Börsen noch nicht in den Raum gezogen sind und ein regulierter Sekundärmarkt noch fehlt. Obwohl das richtig ist, haben einige regulierte Börsen bereits angekündigt, Security-Token-Plattformen einzuführen. LCX in Liechtenstein und SDX in der Schweiz sind nur zwei Beispiele.

Ein weiteres Problem ist der Mangel an flexiblen Custody-Lösungen, die einen globalen 24/7-Zugang und höchste Sicherheitsstandards bieten. Einige Banken haben begonnen, sich dieser Herausforderung zu stellen. Die liechtensteinische Bank Frick beispielsweise bietet Krypto-Depotstellen an und hält sich an die EU-Aufsichtsstandards.

Das Gleiche gilt für die dringende Frage der primitiven technischen Normen und APIs. Der Bericht stellt fest, dass Industriestandards zur Verknüpfung von Infrastrukturbausteinen fehlen. Das ist richtig, und mehrere Unternehmen arbeiten an Lösungen. So baut beispielsweise das neue Venture DLT Markets AG der Bank Frick eine institutionelle Plattform auf, die Investoren einen Multi-Börsenzugang ermöglicht.

Darüber hinaus identifizierte der Bericht unzureichende Marktdatendienste und unzuverlässige Ratings und Qualitätsforschung als Kritikpunkte. Start-ups wie Coin Metrics gehen dieses Problem an. Das Unternehmen hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,9 Mio. US-Dollar abgeschlossen, wobei Fidelity Investments als Ankerinvestor fungiert.

Insgesamt zeichnet der Bericht einen positiven Ausblick für die STOs. Der Ball rollt, und mehrere Start-ups und etablierte Unternehmen stellen sich bereits den von PWC und dem CVA identifizierten Marktanforderungen. In den nächsten Jahren wird der Raum reifen, und viele der heutigen Probleme werden gelöst.

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