Liechtensteins Schulen bemühen sich mehr und mehr um die Vermittlung von Medienkompetenz. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance.

Die Digitalisierung beginnt heute schon in jungen Jahren. Während die heutigen Verantwortlichen in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft meist ohne Smartphones, soziale Medien und Instant-Chats aufgewachsen sind, wird die neue Generation von klein auf mit digitalen Technologien konfrontiert. Das ist eine große Chance, aber auch eine große Herausforderung.

Das liechtensteinische Schulamt organisierte den 5. Pädagogischen Dialog, der wegen der Pandemie in einer virtuellen Umgebung stattfinden musste. Rund 130 Lehrer, Schulleiter und Behördenvertreter tauschten sich zum Thema digitale Medienkompetenz aus.

Medienkompetenz ist der Schlüssel zu einer informierten Bürgerschaft

Unter dem Motto „Fakt oder Fake“ ging es beim Workshop um den Umgang mit Informationen im digitalen Zeitalter. Um eine informierte Bürgerschaft heranwachsen zu lassen, sollten Liechtensteins Kinder schon früh lernen, wie sie die Informationen filtern können, die sie täglich über die verschiedensten digitalen Medien erhalten. Der Medienforscher Dr. Bernhard Pörsken von der Universität Tübingen erklärt, dass sich Informationen heute viel schneller verbreiten als früher, die Wahrheit aber immer noch langsam reist.

„Mehr Informationen machen uns nicht informierter, sondern oft auch uninformiert“, sagt Pörsken. Das Internet verfügt über ein ganzes Arsenal an Werkzeugen, um Fehlinformationen zu verbreiten, gewollt oder ungewollt, um die Meinungen der Menschen zu manipulieren und die Wut und die Wünsche der Menschen auszulösen. Prösken ist der Meinung, dass die Lehrer an den Schulen heute eine Schlüsselrolle bei der Stärkung der Medienkompetenz der Kinder spielen, um gegen Fehlinformationen vorzugehen.

Liechtensteins Schulen vermitteln digitale Bildung, aber nicht genug

Positiv äußerte sich Prösken auch über die liechtensteinische Initiavtie LiLe. Der neue Lehrplan sorgt dafür, dass die Schüler in Liechtensteins Schulen ausreichend IT- und Medienkompetenzen erhalten, um in der digitalen Welt erfolgreich zu sein. Auch Arnold Kind, Leiter des Schuldepartements, ist von Liechtensteins Lehrplan überzeugt. „Ich begrüsse den technologischen Wandel, weil ich weiss, dass wir in unseren Schulen den richtigen Umgang mit der Digitalisierung lehren“, sagt Kind.

Und tatsächlich sind die Schulen in Liechtenstein im Vergleich zu den europäischen Nachbarn digital weit fortgeschritten. In einem Pilotprojekt an einer Schule in Triesenberg wurden Schüler mit mobilen Tablets und Notebooks ausgestattet. Es gibt auch Workshops in den Schulen, in denen der Umgang mit digitalen Medien gelehrt wird, und der neue Lehrplan sieht einen stärkeren Fokus auf die Digitalisierung vor.

Ein zusätzlicher Faktor, über den Liechtensteins Schulen vielleicht nachdenken sollten, ist die Vermittlung von digitalem Unternehmertum. Noch nie war es so einfach, ein Unternehmen zu gründen wie heute. Dennoch tun die Schulen immer noch relativ wenig, um Kindern unternehmerische Fähigkeiten oder Wissen zu vermitteln. Der eigentliche Hebel, um die Digitalisierung zu beschleunigen, wird darin liegen, wie Unternehmen technologische Werkzeuge nutzen, um neue Ideen zu entwickeln, die den Nutzern zugute kommen. Das ist die Schlüsselrolle von Unternehmern, und das sollte auch Teil des Lehrplans werden.

Bild: ©Shutterstock