Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte EUROchain, einen Bericht, der einen Proof-of-Concept für eine digitale Währung der Zentralbank darstellt. Ziel ist es, die Anonymität der Transaktionen zu wahren und gleichzeitig Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern.

EUROchain. Unter diesem Codenamen erforscht die Europäische Zentralbank (EZB) die Möglichkeiten eines digitalen Euro. Sie hat kürzlich einen Proof-of-Concept (PoC) durchgeführt, um Wege zu finden, die Anonymität der Benutzer zu schützen und gleichzeitig AML- und KYC-Kontrollen zur Bekämpfung krimineller Aktivitäten durchzuführen. Sie können den vollständigen Bericht hier herunterladen.

EUROchain wurde in Zusammenarbeit mit R3 und Accenture unter Verwendung einer IT-Infrastruktur entwickelt, die auf den Funktionalitäten der Corda-Plattform basiert. Heute nehmen 18 Zentralbanken an dieser Initiative teil.

Ausgleich zwischen Datenschutz und AML-Compliance

Der Hauptzweck des jüngsten EUROchain-PoCs ist es, die Effizienz und Anonymität einer Blockchainnbasierten digitalen Währung mit den Anforderungen des Staates an die Geldwäschebekämpfung zu verbinden. Eines der Hauptanliegen der Regulierungsbehörden, wenn es um öffentliche digitale Währungen wie Bitcoin geht, ist deren Verwendung für kriminelle Aktivitäten wie Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung.

EUROchain erforscht ein Modell, das Benutzern, die Transaktionen von geringerem Wert durchführen, hilft, ihre Privatsphäre zu wahren, während Transaktionen von höherem Wert weiterhin AML- und KYC-Überprüfungen unterzogen werden. Bei kleineren Transaktionen können Benutzer „Anonymitätsbelege“ einsetzen, um über einen bestimmten Zeitraum einen begrenzten Betrag zu überweisen, z.B. 1000 Dollar pro Woche.

Laut EZB bietet dieses Modell eine digitalisierte Lösung, um die Transaktionshistorie und die Identität eines Benutzers vor der Zentralbank oder ihren Vermittlern verborgen zu halten und gleichzeitig die AML/CFT-Verfahren einzuhalten. Statt der vollständigen Kontrolle der Benutzerinformationen implementiert EUROchain eine kontrollierbare Anonymität bei digitalen Währungstransaktionen.

Digitaler Euro noch weit draussen

Während sich die EZB mit dem Anwendungsfall CBDC befasst, ist ein digitaler Euro noch weit entfernt. Die EUROchain ist lediglich eine Plattform für Experimente; es gibt keine konkrete Agenda oder einen Zeitplan für die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung in Europa.

Da die EZB jedoch eine aktivere Rolle spielt und die europaweite Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit vorantreibt, gibt es zumindest eine gewisse Bewegung. Christine Lagarde, die Präsidentin der EZB, kündigte auch die Einrichtung einer Task Force an, um die Bemühungen der EZB zu beschleunigen.

Um EUROchain in einen internationalen Kontext zu stellen, sollte sich die EZB besser beeilen. Der Druck kommt von Facebooks Libra-Projekt, das das Geldmonopol der Regierungen bedroht hat. Auch andere Zentralbanken sind der EZB bereits weit voraus. Die People’s Bank of China beispielsweise hat angekündigt, bereits im Jahr 2020 einen digitalen Yuan einzuführen. Auch in Europa haben mehrere Zentralbanken, wie z.B. in Schweden und der Schweiz, seit geraumer Zeit CBDC-Entwicklung und Forschung betrieben.

Es ist wichtig, ein First-Mover zu sein, denn sobald eine andere digitale Währung die internationale Führung übernommen hat, wird es für die Nachzügler schwieriger werden, aufzuholen. Deshalb drängen Politiker und Industrieverbände in Europa zunehmend auf einen digitalen Euro. Die Einführung wäre nicht einmal schwierig, weder aus technischer noch aus Kostensicht. Allerdings braucht der politische Prozess Zeit. Da haben Länder wie China einen Vorteil.

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