Entkoppelte Debitkarten sind in Europa auf dem Vormarsch. Fintechs werden in Zukunft die Schnittstelle zwischen Transaktionen und dem Geld der Kunden bilden. Liechtenstein muss bei diesem Megatrend mitmachen.

Eine entkoppelte Debitkarte ist eine Karte, die mit einem Bankkonto verbunden ist, das nicht von der Bank, die das Geld hält, zur Verfügung gestellt wurde. Sie werden in der Regel von Fintechs angeboten und bieten eine Möglichkeit, Digital-First-Funktionen mit bestehenden Bankkonten zu verbinden.

Wozu ist das gut?

Mit einer entkoppelten Debitkarte kann das Fintech, das die Karten ausgibt, Funktionen hinzufügen, die von der Bank nicht unterstützt werden. Simoultan kann es seine eigenen Kosten senken, indem es billigere Zahlungswege nutzt, um die Gelder zu bewegen. Auf der Nutzerseite können diese Karten Menschen moderne App-basierte Debitkarten geben, ohne dass sie Konten bei Neobanken wie Revolut oder N26 eröffnen müssen.

Es gibt verschiedene Kartenmodelle: Die deutsche Solarisbank und die belgische Aion Bank bieten entkoppelte Debitkarten als White-Label-Service für Fintechs an. NumberX International aus Wien arbeitet mit kleineren Banken zusammen, die nicht die Mittel haben, um ihren Kunden digitale Apps anzubieten.

Ein Trend in Europa

Entkoppelte Debitkarten sind in Europa auf dem Vormarsch. Fintechs, die sie anbieten, erhalten im Rahmen der PSD2 der EU eine Lizenz als Herausgeber kartenbasierter Zahlungsinstrumente. Diese Lizenz ermöglicht es ihnen, ihre Karten über Open-Banking-APIs mit den Bankkonten ihrer Kunden zu verknüpfen, was bedeutet, dass sie keine Gelder in ihren Beständen halten müssen. Der Kartenherausgeber rechnet dann die Transaktionen seiner Karteninhaber mit den Händlern über die Netzwerke von Visa und Mastercard ab. Sie verdienen ihr Geld mit den Interchange Einnahmen.

Der allgemeine Trend geht dahin, dass nicht Banken beginnen, ihren Kunden Finanzdienstleistungsprodukte anzubieten. Zum Beispiel könnte eine Einzelhandelskette entkoppelte Debitkarten an ihre Kunden ausgeben, mit denen sie bei jedem Einkauf in ihren Geschäften bezahlen können, und ihnen dann Prämien zahlen. Der Einzelhändler könnte dieses Produkt anbieten, ohne auch Girokonten anbieten zu müssen.

Liechtenstein muss sich beteiligen

Liechtensteiner Banken und Fintechs sollten den Trend zur Kenntnis nehmen. Die europäische Bankenlandschaft ist fragmentiert, mit vielen kleineren Banken, die von diesen Karten profitieren können. Sie wollen keine eigenen digitalen Tools entwickeln, haben aber ein hohes Maß an Kundenvertrauen. Das schafft Möglichkeiten für Co-Branding und Umsatzbeteiligung für Fintechs und Banken.

Die Rolle der Banken wird sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich grundlegend ändern. Fintechs werden Schnittstellen zwischen dem Zahlungsverkehr und dem Geld der Kunden bei ihrer Bank bieten. Das ist eine große Chance für Liechtenstein, das eine lange Bankentradition hat und nun versucht, sich als Fintech-Hub zu etablieren. Durch die Zugehörigkeit zum Europäischen Wirtschaftsraum können liechtensteinische Unternehmen relativ einfach auf den Trend aufspringen und eine führende Rolle spielen.

Bild: ©Shutterstock