Abgelegene Gebiete sind bei der Digitalisierung benachteiligt, können aber genauso davon profitieren wie Großstädte. Die Herausforderung besteht darin, den Menschen Zugang zu digitaler Bildung sowie das Kapital und die Infrastruktur zu bieten, um eigene Lösungen zu entwickeln. Das ist es, was die Schweizer Berghilfe tut.

Man könnte meinen, die digitale Transformation findet vor allem in Großstädten und Tech-Hubs statt. Stimmt, das tut sie, aber nicht nur. Sie findet auch in den Schweizer Bergen statt. Die Schweizer Berghilfe ist eine zivilgesellschaftliche Organisation in der Schweiz, die sich die Entwicklung von Bergregionen zum Ziel gemacht hat. Wer schon einmal in der Schweiz – oder auch in Liechtenstein – war, weiß, dass in beiden Ländern kleine Bergdörfer über das ganze Land verstreut sind. Doch wie kommt die Digitalisierung in diese Gebiete?

E-Learning schafft Zugang zu Chancen

Die Schweizer Berghilfe hat eine Kampagne gestartet, um Geld für verschiedene Projekte in der Region zu sammeln. „Denn die Schweizer Berghilfe ist davon überzeugt, dass gerade hier die Chancen gross sind. Doch man muss sie nutzen können.“, schreibt die Berghilfe in einer Pressemitteilung. Deshalb sammelt der Verein Gelder, um kleine und mittlere Unternehmen bei der Entwicklung ihrer digitalen Tools und Infrastruktur zu unterstützen.

Die Herausforderungen in den Schweizer Alpen sind vor allem der begrenzte Zugang zu den Absatzmärkten und Bildung. Digitale Tools könnten helfen, diese Probleme zumindest teilweise zu lösen. E-Learning bedeutet, dass die Menschen überall an der Online-Bildung teilhaben können, solange sie eine stabile Internetverbindung haben. „Wir haben schon mehr als 500 Menschen in den Bergen eine Weiterbildung im Bereich Digitalisierung ermöglicht“, erklärt Regula Straub, Co-CEO der Schweizer Berghilfe.

671 Projekte im Jahr 2020

Mehrere Projekte wurden bereits erfolgreich entwickelt. In Le Cerneux-Péquignot nutzt die Firma Swiss Gravity Big-Data-gestützte Algorithmen, um die Genauigkeit ihrer CNC-Maschinen zu verbessern. Das hat die Qualität und Effizienz ihrer Produktion deutlich verbessert. Mit Hilfe der Berghilfe konnte das Unternehmen zehn solcher Maschinen kaufen, die nun 24/7 produzieren.

In Lichtensteig eröffnete die Gemeinde einen Co-Working-Space namens „Macherzentrum“, in dem remote gearbeitet wird. Mit 14 Schreibtischen ist es kein riesiger Raum, aber für eine kleine Gemeinde wie Lichtensteig ist das schon etwas. Es ermöglicht digitales Arbeiten und bietet einen Ort, an dem sich Digital Worker treffen und austauschen können.

Das sind nur Beispiele. Die Schweizer Berghilfe hat im Jahr 2020 rund 34 Millionen Franken für 671 Projekte ausgegeben, vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Industrie, Energie, Forstwirtschaft, Bildung, Gesundheit und Nothilfe. Alle diese Gelder werden ausschließlich durch Spenden finanziert.

Finanziert durch Spenden

Die Schweizer Berghilfe zeigt viele beeindruckende Use Cases für die Digitalisierung in Bergregionen. Viele dieser Ideen könnten eines Tages auch von anderen Ländern übernommen werden. Die Projekte zeigen auch, dass die Digitalisierung keineswegs auf die Innenstädte und Tech-Hubs beschränkt ist. Überall dort, wo Menschen vor Herausforderungen stehen, die mit Hilfe von Technologie gelöst werden können, wird die Digitalisierung einen Schub erfahren. Die Herausforderung besteht darin, diesen Gebieten die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, den Menschen stabiles Internet und Zugang zu Lernmöglichkeiten und Ideenaustausch zu geben. Und genau das ist das Ziel der Schweizer Berghilfe. Werfen Sie hier einen Blick auf ihre Arbeit: https://www.berghilfe.ch/

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