Die EU will eine Plattform für die Beantragung von Visa schaffen, um den Aufwand und die Bürokratie zu verringern. Da Liechtenstein und die Schweiz Teil des Schengen-Raums sind, wäre es für Besucher einfacher zu kommen und für Unternehmen einfacher, ausländische Bewerber und Geschäftspartner einzuladen.

Eine der größten Herausforderungen für jedes Unternehmen ist es, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Vor allem Technologieunternehmen konkurrieren um Talente, und es herrscht ein Mangel daran. Und da die europäische Bevölkerung zu schrumpfen beginnt, wird sich dieses Problem in naher Zukunft noch verschärfen. Eine Möglichkeit, das Problem zumindest abzumildern, ist die Einwanderung. Aber die Regierungen machen es einem mit ihrem enormen bürokratischen Aufwand nicht gerade leicht.

Vor diesem Hintergrund debattiert die EU derzeit über den Vorschlag eines digitalen Schengen-Visums. Der Schengen-Raum umfasst die 22 EU-Mitgliedstaaten sowie Liechtenstein, Island, die Schweiz und Norwegen. Wer ein Schengen-Visum besitzt, kann in diese Länder reisen.

Vereinfachung des Verfahrens

Nach dem Vorschlag der Europäischen Kommission soll das Schengen-Visasystem der EU vollständig digitalisiert werden. Der Vorschlag ist Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets zur Migration, das darauf abzielt, Talente in die EU zu locken. Dies ist besonders relevant für bestimmte Sektoren wie IKT, Wissenschaft, Ingenieurwesen und andere wichtige Bereiche der grünen und digitalen Transformation.

Nach Angaben der EU-Kommission ist das Ziel, ein vollständig digitales Visumantrags- und Zahlungsverfahren zu schaffen, das die Antragsteller online abwickeln können, was den Prozess vereinfachen und die Kosten senken würde. Der Prozess werde auch die Sicherheit verbessern, so die Kommission, da digitale Visa weniger anfällig für Fälschungen und Betrug seien.

„Die Hälfte der Personen, die mit einem Schengen-Visum in die EU einreisen, empfindet das Verfahren zur Beantragung eines Visums als umständlich. Ein Drittel muss weite Strecken zurücklegen, um ein Visum zu beantragen“, sagte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson. „Es ist höchste Zeit, dass die EU eine schnelle, sichere und webbasierte Plattform für die Beantragung von Visa für die Bürger der 102 Länder bereitstellt, die ein Kurzzeitvisum für Reisen in die EU benötigen.“

Eine digitale Visumplattform

Die Idee ist nicht neu. Die Digitalisierung des Visasystems war ursprünglich ein Ziel des neuen Migrations- und Asylpakts der EU, der 2020 eingeführt wurde. Die Frist für die Erreichung dieses Ziels wurde auf 2025 festgelegt.

Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig digitale Verfahren sind, und hat die Einwanderung noch umständlicher gemacht. Für die Beantragung eines Visums muss man heute noch persönlich in einem Konsulat vorstellig werden, was oft mit extrem langen Wartezeiten verbunden ist.

Der am 27. April angekündigte Vorschlag sieht die Einrichtung einer digitalen Visumplattform vor. Die Antragsteller stellen ihren Antrag digital über die Plattform. Wenn sie planen, in mehr als ein Land zu reisen, wird die Plattform automatisch feststellen, wer für die Überprüfung ihres Visumantrags zuständig ist.

Die Digitalisierung der öffentlichen Dienste im Allgemeinen ist einer der vier Schlüsselbereiche der Ziele der digitalen Dekade der EU. Bis 2030 sollen 100 Prozent der wichtigsten öffentlichen Dienstleistungen vollständig online verfügbar sein. Laut dem „E-Government-Benchmark“ der Kommission für das Jahr 2021, der den Digitalisierungsgrad der öffentlichen Dienste in den einzelnen EU-Ländern vergleicht, sind bereits mehr als acht von zehn öffentlichen Diensten online verfügbar.

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