Zentralbanken auf der ganzen Welt erkunden die Möglichkeiten der digitalen Währungen der Zentralbanken. Die Schweiz strebt eine Vorreiterrolle in diesem Bereich an, was auch Konsequenzen für das liechtensteinische Währungssystem hätte.

Der Schweizer Franken ist seit mehr als 100 Jahren die offizielle Währung Liechtensteins. Die geringe Grösse des Landes macht es schwierig, eine eigene Währung einzuführen, und die Nähe und die wirtschaftlichen Beziehungen zur Schweiz machen dies unnötig.

Die Bindung an die Währung des Nachbarn hat aber auch ihre Schattenseiten. Liechtenstein ist abhängig von rechtlichen Veränderungen in der Schweiz und von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Dennoch sei die Einführung eines „Liechtensteiner Frankens“ im Moment keine gangbare Option, sagt Hans Kuhn von Zukunft.li. Seiner Meinung nach sollte die Digitalisierung des Notenbankgeldes im Moment oberste Priorität haben.

CBDCs müssen sich nicht auf das Bankensystem verlassen

Die digitalen Währungen der Zentralbanken (Central bank digital currencies/CBDC) sind bereits seit einigen Jahren ein heißes Thema. Führende Zentralbanken weltweit forschen und haben Pilotprojekte gestartet, um ein solches digitales Währungssystem zu entwickeln und zu etablieren.

Zur Klärung: Ein CBDC ist nicht wie Bitcoin. Während Bitcoin eine freischwimmende Krypto-Währung ist, deren Preis von Angebot und Nachfrage bestimmt wird, wäre ein CBDC an die Fiat-Währungsreserve des jeweiligen Landes gebunden. Ein digitaler Schweizer Franken könnte z.B. 1:1 an den Schweizer Franken gebunden sein und somit den gleichen Wert aufweisen.

Im Gegensatz zum elektronischen Geld muss ein CBDC aber nicht unbedingt über das Bankensystem fliessen. Stattdessen würde die Währung auf einem Blockchain-Netzwerk basieren. Die Benutzer bräuchten also kein Bankkonto, um auf das Geld zuzugreifen, sondern nur eine Blockchain-basierte digitale Geldbörse.

Die Idee eines CBDC hat auch während der COVID-Krise an Dynamik gewonnen, da es Regierungen und Zentralbanken in die Lage versetzen würde, Unterstützungsschecks viel schneller als über das Bankennetz zu verschicken. Wenn zum Beispiel Unternehmen und Bürger in einem Blockchain-basierten Register angeführt wären, könnten Regierungen Geld, Kredite oder Lebensmittelmarken direkt in ihre Geldbörsen senden.

Wo die CBDCs ebenfalls einen großen Unterschied machen würden, ist die Automatisierung. Maschinen können digitale Währungen verwenden, um automatisch und ohne menschliches Zutun miteinander zu kommunizieren.

Ein digitaler Schweizer Franken

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits mehrere Forschungsprojekte und Pilotprojekte mit nationalen Zentralbanken und Banken des privaten Sektors gestartet, um die Möglichkeiten und die Machbarkeit eines digitalen Euro zu untersuchen. Ebenso hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) mehrere Pilotprojekte und Kooperationen gestartet.

Dirk Niepelt, Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Zentrums Gerzensee der Schweizerischen Nationalbank, sagt: „Digitales Zentralbankgeld ist die unausweichliche Zukunft.“

Wenn es die unausweichliche Zukunft für die Schweiz ist, so gilt das auch für Liechtenstein. Wenn man bedenkt, dass beide Länder eine digitale Vorreiterrolle anstreben, könnten gemeinsame Anstrengungen zur Lancierung einer weit verbreiteten CBDC eine gute Idee sein. Vor allem wenn man bedenkt, dass andere Nationen, wie zum Beispiel China, bereits einen eigenen CBDC ins Leben gerufen haben.

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