Forscher der Universität Liechtenstein entwickeln technische Lösungen, chorpädagogische Ansätze und Empfehlungen für den Einsatz digitaler Werkzeuge bei Chorproben. Das Projekt wurde durch Erasmus+ gefördert.

Im digitalen Zeitalter ist es nicht mehr so beliebt, sich zu treffen und gemeinsam zu singen. Stattdessen singen wir lieber zu Hause, nehmen es auf, wenden einen Filter an, damit wir gut klingen und aussehen, und laden es dann auf TikTok oder Instagram hoch.

Aber das ist doch nicht dasselbe wie in einem echten Chor mit echten Menschen live auf der Bühne, oder? Vielleicht geht beides zusammen!

Digitale Chorproben

Die Universität Liechtenstein hat ein Projekt zur Erforschung des Einsatzes digitaler Hilfsmittel bei Chorproben gestartet. Der Hilti-Lehrstuhl für Geschäftsprozessmanagement hat für das Projekt eine Erasmus+-Förderung erhalten. Ein Ziel ist es, Chöre wieder zum Leben zu erwecken, nachdem sie während der Pandemie auszusterben begannen.

Die Vaduzer Forscher arbeiten dabei mit Kollegen der Universität Mozarteum Salzburg und der Hochschule Anhalt zusammen. Sie erforschen, „wie Chorproben mit Hilfe digitaler Werkzeuge online durchgeführt werden können“, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Wir können in Zeiten einer Pandemie weiterhin gemeinsam singen, aber vielleicht können wir auch generell neue Wege gehen, etwa wenn wir auf Geschäftsreise sind oder Freunde von weiter weg einbeziehen wollen“, so Jan vom Brocke, Inhaber des Hilti-Lehrstuhls für Geschäftsprozessmanagement und Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik.

Viele Vorteile

Was bedeutet es, Chöre online zu bringen? Die Projektgruppe entwickelt technologische Lösungen, chorpädagogische Ansätze und Empfehlungen zur Steigerung der Technologieakzeptanz und zur Förderung der sozialen Interaktion. Diese Ansätze werden in einem Online-Laborchor evaluiert und später auf andere berufliche und private Kontexte übertragen.

In der aktuellen Projektphase wollen die Forscher die Vorteile digitaler Formate besser verstehen und hybride Probenformate testen. Sie könnten möglicherweise internationale Chorprojekte erleichtern.

Eine weitere Möglichkeit für Chorproben könnten hybride Formate sein, bei denen es ein physisches Treffen gibt, die Teilnehmer aber auch die Möglichkeit haben, digital teilzunehmen. So können auch Menschen, die weiter weg wohnen, teilnehmen, ohne immer lange Strecken fahren zu müssen. Es kann auch Menschen die Teilnahme ermöglichen, die behindert oder krank sind oder aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht mitmachen können.

Marketing für Liechtenstein

Jan vom Brocke sieht in dem Projekt „insbesondere für Liechtenstein interessante Möglichkeiten, sein Profil weiter zu schärfen.“ Liechtenstein gilt als digitaler Pionier und innovative Digitalisierungsprojekte made in Liechtenstein können dazu beitragen, dieses Image zu stärken.

Jetzt, wo die Pandemie vorbei ist, ist es an der Zeit, sich wieder dem realen Leben zuzuwenden. Aber vielleicht können wir dieses „echte Leben“ mit digitalen Werkzeugen bereichern. Das gilt für Behörden und Unternehmen, aber auch für Freizeitprojekte wie z. B. Chorprojekte. Die von der Universität Liechtenstein erarbeiteten Tools und Best Practices könnten nach erfolgreicher Umsetzung auch auf viele andere Freizeitaktivitäten angewendet werden.

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