Die Schweiz versucht, ihre Position als Top-Blockchain-Jurisdiktion zu fördern, indem sie eine Fintech-freundlichere Gesetzgebung schafft. Gesetzesänderungen sollen die Ausgabe von tokenisierten Wertpapieren erleichtern und Rechtssicherheit schaffen.

Die Schweiz hat am 01. Februar ein neues Gesetz zu tokenisierten Wertpapieren eingeführt. Das Gesetz erlaubt es tokenisierten Wertpapieren, auf einer Blockchain mit der gleichen rechtlichen Stellung wie traditionelle Vermögenswerte zu handeln.

„Zuvor hatten Sie dort unverbriefte Rechte, die zugewiesen werden mussten, und eine Menge kluger Leute schauten sich an, wie das auf der Blockchain gemacht werden könnte“, sagte Alexander Vogel von der Schweizer Anwaltskanzlei Meyerlustenberger Lachenal (MLL). „Mit diesen neuen registrierten Rechten ist klar, dass man Rechtssicherheit hat. Wenn sie ordnungsgemäß auf einer Blockchain übertragen werden, ist der neue Besitzer, der sie in seiner Wallet hält, definitiv der Eigentümer dieser Rechte.“

Sygnum und SEBA geben Token aus

Die DLT-Änderungen der bestehenden Gesetzgebung erkennen tokenisierte Wertpapiere als neue Asset-Klasse an. Die Eigentumsrechte werden automatisch über die Blockchain auf jeden neuen Investor übertragen. 

Die beiden regulierten Kryptobanken der Schweiz, Sygnum und SEBA, haben das Gesetz bereits genutzt, indem sie tokenisierte Wertpapiere ausgegeben haben. Sygnum gab am selben Tag bekannt, dass die Bank Token für eine Reihe von Premium-Investmentweinen der Fine Wine Capital AG ausgeben wird. SEBA gibt seine Aktien der Serie B als Ethereum ERC-20-Tokens aus. Ein Vertreter des Unternehmens sagte, die Token würden „eine nahtlose Konnektivität für den Handel und die Liquidität auf zukünftigen international anerkannten digitalen Liquiditätsplätzen ermöglichen.“

Ein anderer Ansatz als Liechtenstein

Im Gegensatz zu Liechtenstein, das im Januar 2020 das sogenannte Blockchain-Gesetz eingeführt hat, hat sich die Schweiz entschieden, kein komplett neues Gesetz einzuführen, sondern bestehende Gesetze zu ändern. Der Schweizer Gesetzgeber ist der Meinung, dass der derzeitige Rechtsrahmen so angepasst werden kann, dass er digitale Vermögenswerte zulässt.

Die Tatsache, dass Liechtenstein sein Blockchain-Gesetz vorangetrieben hat, war zweifellos ein Grund dafür, dass die Schweiz beschlossen hat, ihre Gesetze blockchain-freundlicher zu gestalten. Mehrere Unternehmen haben die Schweiz verlassen und zumindest einen Teil ihrer Aktivitäten nach Liechtenstein verlagert – obwohl für viele dieser Unternehmen der Hauptgrund für einen Umzug der leichtere Zugang zum europäischen Markt war. Das Blockchain-Gesetz mag nur ein Teil ihrer Überlegungen gewesen sein.

Die Blockchain-Branche hat das neue Gesetz begrüßt. Matthew Alexander, Head of digital corporate finance and asset tokenization bei der SEBA Bank, sagte gegenüber Coindesk: „Die Strategie der Schweiz ist es, eine Brücke in diese neue digitale Wirtschaft und den Übergang von traditionellen Fiat-Bankgeschäften zu bieten und die Sicherheit zu gewährleisten.“ Dennoch, es ist nicht alles rosig: Die notwendigen Lizenzen von den Schweizer Aufsichtsbehörden zu bekommen, bleibt teuer und braucht Zeit.

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