Ein Gesetzesentwurf des deutschen Finanzministeriums hat zu einem Aufschrei der deutschen Krypto-Community geführt. Sollte er in Kraft treten, würden Aktivitäten wie Mining, Staking oder Lending einer hohen Besteuerung unterliegen. Das könnte Deutschland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit in einer aufstrebenden Technologie kosten.

Deutschland liebäugelt mit einer Krypto-Steuer. Das Bundesfinanzministerium will einen einheitlichen Rahmen für die Besteuerung von Kryptowährungen und hat einen Entwurf vorgelegt, der Investoren die Daumenschrauben anziehen soll.

Der Referentenentwurf sieht vor allem eine höhere Steuerbelastung für Mining vor. Dabei wird nicht zwischen privaten und gewerblichen Mining-Aktivitäten unterschieden. Konkret bedeutet dies, dass die Finanzbehörden davon ausgehen, dass Mining generell Einkünfte aus Gewerbebetrieb sind, unabhängig davon, ob man an einen Mining-Pool angeschlossen ist. Das bedeutet, dass die Finanzbeamten generell von Einkünften aus einem Gewerbebetrieb ausgehen können. Mit dem Gesetzesentwurf würde Krypto-Mining zu einer gewerblichen Tätigkeit werden, was bedeutet, dass Gewerbesteuern dann auch für Einkommen wie Block Rewards gelten könnten.

Der Gesetzentwurf würde auch das Staking und Lending unattraktiv machen. Er schlägt eine Erhöhung der Haltefrist (derzeit 1 Jahr) auf 10 Jahre vor, wenn Kryptowährungen als Einkommensquelle genutzt werden. Das ist beim Staking und Lending der Fall, wo Investoren Zinserträge erzielen.

Der Entwurf unterliegt noch Änderungen und ist zunächst als Empfehlung für Finanzbeamte zu verstehen. Eine endgültige Version, die zunächst für Finanzbeamte verbindlich ist, könnte dann aber in einigen Monaten erscheinen.

Reaktionen der Community

Die Krypto-Community in Deutschland protestiert, da das Gesetz Aktivitäten wie Staking, Lending und Mining wirtschaftlich unattraktiv machen würde. Miner würden wahrscheinlich woanders hinziehen, was Deutschland einen Nachteil verschaffen würde. Die Steuerbehörden verfolgen offensichtlich die Absicht, fast alle Transaktionen im Zusammenhang mit Kryptowährungen vollständig zu besteuern. Das ist sicherlich nicht das, worauf die Krypto-Community gewartet hat.

Der deutsche Blockchain-Verband Bundesblock bereitet nun in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern eine Stellungnahme vor, um alternative Vorschläge zum Gesetzesentwurf zu machen und zu erklären, warum diese Vorschläge in ihren Augen schädlich für Deutschland wären. Auf Krypto-Besteuerung spezialisierte Anwälte haben das Gesetz ebenfalls kritisiert und sagen, dass es lediglich Regelungen aus anderen Bereichen auf Krypto-Assets anwendet. Stattdessen sollte die Regierung neue Gesetze schaffen, die den einzigartigen Anforderungen der neuen Anlageklasse gerecht werden, wie zum Beispiel in Liechtenstein.

Auch die internationale Gemeinschaft hat dies zur Kenntnis genommen. Da Deutschland innerhalb Europas nach wie vor eine führende Rolle spielt, befürchten Krypto-Enthusiasten in anderen Ländern Abstrahleffekte, insbesondere in Österreich. Deshalb beobachtet Crypto-Europe, was in Deutschland passiert. Liechtenstein würde es nicht betreffen, vielleicht wäre es sogar positiv. Wer einen neuen Ort zum Ansiedeln sucht, könnte Liechtenstein in Betracht ziehen, das einige der fortschrittlichsten Krypto- und Blockchain-Regulierungen in Europa hat.

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