Es ist kein Geheimnis, dass Bitcoin große Mengen an Energie verbraucht. Eine einzige Bitcoin-Transaktion verbraucht etwa so viel Strom wie ein Haushalt in 1,5 Monaten. Aber es gibt zwei Seiten dieser Geschichte. Schauen wir uns beide an.

Der größte Stromfresser ist das Bitcoin-Mining, bei dem Mining-Computer neue Bitcoin-Transaktionen durch sogenannte Proof-of-Work-Algorithmen validieren. Das bedeutet, dass die Computer jedes Mal, wenn das Netzwerk eine Transaktion verarbeitet, ein mathematisches Rätsel lösen müssen, was eine Menge Energie verbraucht.

Bitcoin-Befürworter argumentieren, dass ein Großteil des Bitcoin-Minings an abgelegenen Orten wie Wüsten oder Bergregionen stattfindet, wo es einen Überschuss an erneuerbarer Energie gibt. Es ist schwer nachzuprüfen, ob das stimmt; verschiedene Studien haben zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen geführt.

Wahr ist jedoch, dass der zugrunde liegende Mechanismus des Bitcoin-Netzwerks die Miner dazu anregt, nach der billigsten Energiequelle zu suchen. Miner verdienen ihr Geld mit der Spanne zwischen dem Bitcoin-Preis und ihren Mining-Kosten – hauptsächlich den Energiekosten. Da der Preis für erneuerbare Energie sinkt, ist es für Miner sinnvoller, erneuerbare Energie zu nutzen.

Gesetzgeber diskutieren über Bitcoin

Die Regierungen glauben nicht an die Argumente der Bitcoin-Enthusiasten und fragen sich, ob der Energieverbrauch gerechtfertigt ist. Letzte Woche legte die US-Regierung mehrere Berichte vor, in denen sie mögliche Schritte skizzierte, um Miner zu zwingen, ihren Energieverbrauch zu senken. Der extremste Schritt wäre ein vollständiges Mining-Verbot, was rechtlich schwierig wäre.

Auch in Liechtenstein und der Schweiz diskutieren die Gesetzgeber über das Thema. Die Grünen haben in der Schweizer Stadt Zug ein Postulat eingereicht, das der Regierung verbieten soll, „energiefressende Kryptowährungen“ als Zahlungsmittel für Steuern zu akzeptieren.

Während der letzten Parlamentssitzung in Liechtenstein im August wies die Abgeordnete Manuela Haldner-Schierscher darauf hin, dass der Energieverbrauch des Netzes jährlich rund 100 TWh beträgt. Sie verwies auch auf die Analysten-Website „Digiconomist“. Demnach verbraucht eine einzige Bitcoin-Transaktion so viel Strom wie 453.000 Kreditkartentransaktionen. Und: Täglich finden rund 300.000 Bitcoin-Transaktionen statt.

Keine Notwendigkeit, die Gesetzgebung zu ändern

Viele finden das schiere Ausmaß des Bitcoin-Energie-Fußabdrucks schon beunruhigend genug. Es spielt keine Rolle, ob Bitcoin 10.000 oder 20.000-mal schlechter als Visa ist. Die Frage ist, ob es sich lohnt, so viel Energie für den Betrieb des Netzwerks auszugeben.

Thomas Dünser, Leiter der Stabsstelle für Finanzplatzinnovation und Digitalisierung in Liechtenstein, äußerte sich in einer Schweizer Zeitung: „Bitcoin als Anlageobjekt oder digitales Geld steht viel mehr im medialen Rampenlicht als andere Güter, vielleicht auch wegen seiner Transparenz. Bei anderen Gütern ist diese Transparenz oft nicht gegeben“, so Dünser.

Ein weiteres Argument der Bitcoin-Befürworter ist, dass auch das Fiat-System, also das Goldschürfen, große Mengen an Energie verbraucht. Dünser kommentiert: „Wir kennen zum Beispiel nicht den gesamten globalen Energieverbrauch von Gold, Bargeld oder Buchgeld des Bankensystems, obwohl er erheblich sein könnte.“ Er empfiehlt, dass eine isolierte Regulierung von Bitcoin zur Reduzierung des globalen Energieverbrauchs der Komplexität des Energieproblems nicht gerecht wird.

Kann das Ökosystem seine Probleme lösen?

Selbst wenn die liechtensteinische Regierung über den Kohlenstoff-Fußabdruck von Bitcoin besorgt wäre, muss die Gesetzgebung nicht geändert werden. Dünser sagt, obwohl es nicht viele Daten über Bitcoin-Mining in Liechtenstein gibt, glaubt er nicht, dass es wegen der hohen Energiekosten viel davon gibt. Mining findet hauptsächlich in Ländern statt, in denen die Energiekosten niedrig sind.

Ausserdem hat die Ethereum-Blockchain kürzlich gezeigt, dass sich das Blockchain-Ökosystem des Problems bewusst ist und Innovationen hervorbringen kann. Mit dem Software-Upgrade „The Merge“ wollte Ethereum den Energieverbrauch der Blockchain nach Angaben der Ethereum-Stiftung um 99 Prozent senken. Wenn die Regierungen zunehmend gegen den Energieverbrauch vorgehen, könnte Ethereum in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Bitcoin haben.

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