Die Schweizer Bevölkerung wechselt zunehmend zum bargeldlosen Bezahlen. Fintech-Produkte und Zahlungsverkehrsdienstleistungen von BigTech-Firmen werden immer beliebter. Die SNB bekräftigt ihr Bekenntnis zum Bargeld, da es eine Reihe von Vorteilen bietet, insbesondere für Nicht-Digital Natives und zum Schutz der Privatsphäre.

Die Verwendung von Bargeld ist in den letzten zehn Jahren weltweit kontinuierlich zurückgegangen. Das macht Sinn: Digitales Geld ist bequemer, und Transaktionen können heute innerhalb von Sekunden per Smartphone abgeschlossen werden, sowohl online als auch in Geschäften, Märkten und Einkaufszentren. Warum also überhaupt noch Bargeld verwenden?

Martin Schlegel, stellvertretender Direktor der Schweizerischen Nationalbank (SNB), sagte auf dem Forum für Finanzstabilität in Liechtenstein, er sei überzeugt, „dass es Bargeld noch lange geben wird.“ Trotz der Zunahme elektronischer Zahlungsmittel geht die SNB davon aus, dass Bargeld bei den Menschen beliebt bleiben wird.

Schweizer etwas technikaffiner

Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Strategy& zeichnet ein etwas anderes Bild. Nur noch 35 Prozent der Schweizer Bevölkerung bevorzugen Bargeld als Zahlungsmittel. Der Rest zahlt lieber mit Karte oder App. Damit ist die Bereitschaft der Schweizer, elektronische Zahlungsmittel zu nutzen, etwas höher als bei ihren europäischen Mitbewerbern. Laut der Studie bevorzugen in Europa noch 37 Prozent Bargeld. In Dänemark sind es nur 17 Prozent, in Deutschland immer noch mehr als die Hälfte.

Die Berater befragten im September und Oktober 5750 Personen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, den Niederlanden, Belgien, Schweden, Österreich, der Schweiz, Dänemark, Finnland, Irland und der Türkei. Strategy& ist Teil der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC.

Fintechs und BigTechs gewinnen an Zugkraft

Interessanterweise ist die Bereitschaft, ein Bankkonto bei Fintech-Start-ups oder den Zahlungsdiensten von Technologieunternehmen wie Apple und Google zu eröffnen, in der Schweiz mit 48 Prozent ebenfalls hoch. In Österreich liegt der Wert bei 39 Prozent und in Deutschland bei 27 Prozent.

Neben bargeldlosen Bezahlmethoden wie Debit- oder Kreditkarten sind auch Zahlungen per Smartphone auf dem Vormarsch. Laut der diesjährigen Bankenumfrage der Unternehmensberatung gibt es in Europa bereits eine gar nicht so kleine Minderheit, die regelmäßig ohne Portemonnaie einkaufen geht und lieber mit dem Handy bezahlt: Im Durchschnitt der 15 Länder waren es 21 Prozent.

SNB bekräftigt Bekenntnis zum Bargeld

Obwohl die SNB ihr Bekenntnis zum Bargeld bekräftigt, bestätigt auch Martin Schlegel den Trend zum bargeldlosen Zahlungsverkehr. An der Konferenz in Liechtenstein sagte er, dass andere Zahlungsmittel wie Debitkarten, Kreditkarten und Bezahl-Apps im Alltag immer beliebter werden und die Verwendung von Bargeld rückläufig ist.

Er sagt, dass Bargeld trotz einiger Nachteile auch Vorteile gegenüber digitalen Zahlungen hat. „Mit Münzen und Scheinen hat man seine Ausgaben im Griff“, sagt Schlegel. Zweitens braucht man für Münzen und Scheine weder ein Konto noch ein Mobiltelefon oder eine digitale Affinität. Das macht Bargeld besonders wertvoll für ältere Menschen, die sich noch nicht an digitale Werkzeuge und Smartphones gewöhnt haben. Drittens müssen bei Bargeld keine persönlichen Daten preisgegeben werden.

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